Dokumentiert : Die letzte Mieterin der alten Tegeler Markthalle

Als Ergänzung zu unserem Reinickendorf-Newsletter vom 14. Juni dokumentieren wir hier im Wortlaut eine Mitteilung der Initiative "I Love Tegel" sowie die Reaktion des Investors HGHI darauf.

Felix Schönebeck besucht Inhaberin Dina Matijevic im Gourmet Café in der Tegeler Markthalle.
Felix Schönebeck besucht Inhaberin Dina Matijevic im Gourmet Café in der Tegeler Markthalle.Foto: I love Tegel

Absperrungen, Container, Baufahrzeuge: In der Tegeler Fußgängerzone hat die HGHI Holding GmbH von Investor Harald Huth mit den Umbauarbeiten begonnen. Mit Investitionen von insgesamt 200 Millionen Euro soll das in die Jahre gekommene Tegel-Center in den nächsten zwei Jahren grunderneuert werden. Jedoch kommen die Abriss- und Umbaumaßnahmen immer wieder ins Stocken. Die Arbeiten in der alten Tegeler Markthalle sollten bereits viel weiter, alle Mieter schon im Februar ausgezogen sein. Der Plan ist jedoch nicht aufgegangen.

Die letzte Mieterin in der alten Markthalle öffnet weiterhin täglich ihr Geschäft inmitten einer Baustelle umgeben von Bauzäunen und Lärm. Dina Matijevic vom Gourmet Café hat nämlich noch einen Mietvertrag bis Ende 2018. Ein adäquates Angebot für eine neue Fläche zu gleichen Konditionen wurde ihr nicht unterbreitet. Auch die Umzugskosten in Höhe von 20.000 Euro wollte die HGHI nicht übernehmen. Mit Herrn Huth wolle sie in Zukunft auf keinen Fall Zusammenarbeiten. "Ich will nur noch raus", sagt die Geschäftsinhaberin. Seit dem Beginn der Bauarbeiten hat sie Umsatzeinbußen von rund 15.000 Euro monatlich zu beklagen und erwartet von den Investoren eine angemessene Abfindung. Ob es dazu jemals kommt, ist fraglich. Stattdessen bekam sie eine Kündigung wegen eines angeblichen Formmangels im Mietvertrag. Die gerichtliche Klärung steht noch aus.

"Das Vorgehen der Investoren hier im Tegel-Center ist skrupellos und unmenschlich. Wir alle wünschen uns, dass dieses Projekt vorankommt und wir bald wieder eine lebhafte Fußgängerzone haben. Aber dafür muss man fair miteinander umgehen und alle Interessen müssen berücksichtigt werden. Die Geschäftsleute haben seit Jahren das Tegel-Center mit Leben gefüllt. Ich erwarte, dass man auf Augenhöhe miteinander verhandelt, anstatt Drohungen und fragwürdige Kündigungen auszusprechen. Es geht hier um Existenzen, die auf dem Spiel stehen", ärgert sich Felix Schönebeck vom Verein "I love Tegel", der mit dem Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) im letzten Jahr über 11.000 Unterschriften für den Erhalt einer Markthalle gesammelt hatte.

Weitere Mieter des Tegel-Centers, auf der anderen Seite der Fußgängerzone, teilen das Schicksal von Frau Matijevic und stehen vor schwierigen Zeiten und entscheidenden Gerichtsverhandlungen. Eines steht jedoch heute schon fest: als Sieger wird aus diesen Prozessen keiner hervorgehen.

Stellungnahme der HGHI Holding GmbH

Wir wollen zu den Vertragsverhandlungen mit einzelnen Mietern keine offizielle, detaillierte Stellungnahme abgeben. Die von Ihnen zitierte Mieterin hat jedoch mehrfach ein adäquates und ausgewogenes Umzugsangebot bis heute nicht unterschrieben, das von dem Inhalt her genau dem entspricht, welches auch alle anderen Mieter, die umgezogen sind, erhalten haben.

Wir haben auch gehört, dass die besagte Mieterin auf diese Weise eine hohe Abfindung erzielen will, da sie selbst kein Interesse mehr hat, ihr Café weiter zu betreiben. Insofern müssen wir jetzt abwarten, wie die Verhandlungen zwischen den Anwälten verlaufen. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir die Presse nicht zum Spielball der Mieter, die eine höhere Abfindung kassieren wollen, machen wollen und bitten um Nachsicht, wenn wir hier zurückhaltend agieren.

Den Reinickendorf-Newsletter von Gerd Appenzeller vom 14. Juni können Sie hier lesen. Newsletter für alle Berliner Bezirke können Sie hier bestellen.

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