Berlin : Don-Bosco-Gelände wird zur Villensiedlung

Investor plant 150 Wohnungen am Wannsee – aber Anwohner fürchten Kahlschlag und Autoverkehr

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Wie eine weitgehend verlassene Ferienparklandschaft sieht das Gelände am Heckeshorn in Wannsee aus. Mit viel Grün, vereinzelten Häusern, mit Sportplätzen, Werkstätten. Bis ins letzte Jahr war hier das Don-Bosco-Heim für jugendliche „Problemfälle“ angesiedelt. Das Gelände des Salesianer-Ordens, der die viel gelobte Kinder- und Jugendeinrichtung nicht mehr tragen konnte, ist inzwischen verkauft. Es soll neu bebaut werden.

Juraprofessor Horst Baumann und seine Bürgerinitiative sind „ziemlich entsetzt“, dass die amerikanische Immobiliengesellschaft Apellas am Don-Bosco-Steig eine Siedlung mit ungefähr 150 Wohnungen errichten möchte. Man sperre sich nicht gegen Neubauten, fürchte aber, dass zu viele Häuser zu viel Autoverkehr mit sich bringen. Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) sagt, dass es zwischen dem Bezirk und dem Investor noch offene Fragen gibt. Es geht um die Pflanzen und den Baumbestand, um die Erschließung und die Geschossflächenzahl. Für Bauanträge sei es noch zu früh. „Wir sind noch nicht durch.“

Apellas-Geschäftsführer Ulrich Weber bestätigt die „Abstimmungsphase“. Sein Unternehmen wolle für rund 50 Millionen Euro ein attraktives Wohngebiet errichten, eine Mischung aus Einfamilien- und Doppelhäusern und Stadtvillen. Mit der Bürgerinitiative sei man im Gespräch. „Wir reagieren auf jeden gut gemeinten Hinweis.“ Eine Brache aber dürfe nicht bleiben. Das Gelände, sagt Horst Baumann von der Bürgerinitiative, sei Bestandteil der alten Kolonie Alsen, einer einmaligen Kulturlandschaft.

Die neuen Eigentümer dürften hier „keine übliche Siedlung hinstellen“. Die juristische Situation ist nach Auskunft Baumanns verworren. Nach dem Baunutzungsplan von 1958 ist das 85 000 Quadratmeter große Gelände als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen. Das Heim war hier aber schon 1955 gegründet worden. Im übergeordneten Flächennutzungsplan von 1984 ist eine „Gemeinbedarfsfläche“ mit hohem Grünanteil verzeichnet. Die Arbeit an einem neuen Bebauungsplan wurde vor zwei Jahren eingestellt.

Ostern 2005 war das Don-Bosco-Heim endgültig geschlossen worden. Schon 2003 hatten die Ausbildungsstätten für benachteiligte Jugendliche auf dem Gelände dicht gemacht. Zuletzt waren bei Don Bosco noch 60 Kinder untergebracht, insgesamt rund 5000 Kinder und Jugendliche wurden hier einmal betreut. Das Heim des weltweit drittgrößten katholischen Männerordens war erst 1997 für Mädchen geöffnet worden.C. v. L.

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