Berlin : "Doormen" in Berlin: Makler setzen auf den neuen Service

WERNER VAN BEBBER

BERLIN .Noch ist der "Doorman" eine seltene Erscheinung in Berlin.Aber es gibt Makler, die glauben fest an die Zukunft des Mannes am Hauseingang: Wenn erst mitsamt der Regierung ein Publikum nach Berlin zieht, das besonders sicher und komfortabel wohnen will, werden "Doormen" in größerer Zahl gebraucht.In New York steht der Doorman längst vor jeder guten Adresse.In ein bis zwei Jahren werde der Bedarf auch in Berlin zu spüren sein, glaubt eine Maklerin vom Kurfürstendamm.Schon jetzt haben die Bewohner eines Marzahner Mietshauses zwei Concierges zur Verfügung.Die Männer am Empfang heben das Wohlgefühl der Mieter.

Teure Miet- und Eigentumswohnungen in den Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg werden gelegentlich mit "Doorman" annonciert.So werde es zum Beispiel im "Checkpoint Plaza" einen Doorman geben, sagt eine Mitarbeiterin der Firma SBB Stadtprojekt, die die Wohnungen zu vermieten versucht.

Die Eingänge zu neu gebauten Wohn-und Geschäftsgebäuden in Mitte ähneln denen großer Apartementhäuser in amerikanischen Städten: Ein Video-Objektiv ist über der Gegensprechanlage montiert; es gibt keine Namensschilder, sondern Nummern.Ins Haus oder in die Tiefgarage kommt nur, wer den Zahlencode für den Türöffner kennt.Im Haus hat der Doorman die Videomonitore im Blick.Das habe sich in der "Residenz Prenzlauer Berg" bewährt, sagt die SBB-Mitarbeiterin.

Sicherheit soll der Doorman gewährleisten, indem er dafür sorgt, daß kein Unbekannter ins Haus oder in die Tiefgarage gelangt.Der Mann sei als Posten gedacht, "an dem man nicht vorbeikommt", sagt Makler Daniel Kupper.Außerdem ist der Doorman, ob mit oder ohne Uniform, für Service zuständig.Wer zum Beispiel etwas Schweres vom Auto in die Wohnung getragen haben will, gibt ihm den Autoschlüssel.Was besonders Mieter mit Sinn für Luxus zu schätzen wissen.Kupper hält das menschliche Extra bei teuren Wohnungen für ein Angebot mit Zukunft."Das ist kein Werbegag", sagt der Makler - aber ein Faktor, der bei den Betriebskosten eines Hauses zu Buche schlägt.Das Gehalt für den Doorman ist der Hauptgrund dafür, daß man ihn derzeit eher selten findet, sagen mehrere Makler übereinstimmend.In Berlin sei der Prozentsatz derer, die für ihrer Sicherheit mehr zahlen wollen, eher klein, sagt die Maklerin Gerlinde Lohmüller.Doch habe der Doorman eine Perspektive.Nachfrage gebe es "jede Menge".

Die Portiers von Marzahn

In zwei Hochhäusern genießen die Mieter besonderen Service

MARZAHN (bey).Wer die beiden Hochhäuser am Helene-Weigel-Platz 13/14 betritt, wird neuerdings zu jeder Tageszeit freundlich begrüßt.Rund um die Uhr sind die beiden Tresen in den Eingangsbereichen der Plattenbauten besetzt - wie im Hotel.Claus Jockisch gehört zu den fünf Mitarbeitern des "Concierge- Teams".Eine Dienstleistung der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn mbH, die über zwei Monate getestet wird.Die Männer mit den eleganten grauen Hemden sehen sich weder als Pförtner noch als Portiers oder Hausmeister: "Wir sind eine Kombination aus allem", sagt Jockisch.Sie bieten den 1000 Bewohnern des Doppelhochhauses seit April Service von A bis Z: Sie bewahren Schlüssel auf, holen Garderobe aus der Reinigung, liefern Brötchen und füttern Fische."An einem Nachmittag hatten wir schon mal 65 Pappkartons aufzubewahren", erinnert sich Jockisch.Er freut sich, weil die Leute das Angebot so gut annehmen.Gearbeitet wird im Drei-Schicht-System.
Während die Concierges unzählige Male den Türsummer bedienen, haben sie die Videomonitore im Blick.16 Ausschnitte sind zu sehen, Ein- und Ausgänge, Flure, ein Durchgang zur Passage und der Einkaufskomplexam anderen Ende des Gebäudes.Dieser Blick nach allen Seiten führte vor kurzem zur außergewöhnlichen Bitte einer älteren Dame.Sie wollte, daß der Concierge mit einer der Kameras den benachbarten Supermarkt ins Visier nahm, um zu schauen, ob noch genügend Einkaufswagen vorhanden sind.Jockisch tat ihr natürlich diesen Gefallen.
Demnächst soll der Service noch erweitert werden.Dann können die Bewohner am Empfangstresen kopieren oder Faxe verschicken."Wir richten uns nach den Wünschen der Marzahner und erweitern das Angebot jederzeit", sagt der Geschäftsführer der WBG Marzahn, Dieter Cordes, an.Er verspricht sich von dem neuen Service mehr Sicherheit und Sauberkeit im Gebäude und drumherum.Der erhoffte Effekt sei spürbar, sagt Jockisch.In den letzten Wochen wurden weder Leuchten noch Klingeln zerstört.
Die Mieter müssen für den Service nicht tiefer in die Tasche greifen, betont Cordes.Ab Juli rechnet das Unternehmen die Kosten für den Kundendienst als Betriebskosten ab.Um den entsprechenden Betrag verringert sich aber dann die Nettokaltmiete.Der Geschäftsführer erwartet, daß sich der Concierge-Dienst rechnet.Schließlich spare man eine Menge Geld für für Renovierungen und die Beseitigung von Vandalismusschäden.
Die nächsten Hochhäuser, die dengleichen Service bieten sollen, stehen fest: Die Gebäude in der Raoul-Wallenberg-Straße 40/42 und am Helene-Weigel-Platz 6/7.Andere Berliner Wohnungsbaugesellschaften erkundigten sich schon bei Cordes nach dem Concierge-Angebot.Nur die Bezeichnung des Dienstes gefällt dem Geschäftsführer noch nicht: "Wir haben aber bislang noch kein passendes deutsches Wort gefunden".

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