Berlin : Doppel-Ich

Zwei Tempelhofer organisieren das jährliche Zwillingstreffen in Berlin

Michael Lünstroth

Es gibt so gut wie nichts, dass sie nicht schon miteinander geteilt hätten: die Reisetasche, den Schreibtisch, die Schulbank, die Freunde. Gute Zeiten und schlechte Zeiten haben sie miteinander erlebt. Und doch ist ihre Geschichte keine Liebespaargeschichte, denn Christian und Andreas Bergel sind Zwillinge. Eineiige Zwillinge. Davon soll es in Berlin rund 30 000 geben. Was die beiden 30-Jährigen aus Tempelhof zu etwas Besonderem macht ist, dass sie zu so etwas wie den Sprechern von Zwillingspaaren geworden sind. Seit 2003 organisieren die beiden jährliche Zwillingstreffen in Berlin. Das nächste steht am 26. August an. Die Idee dazu entstand über die Reaktionen auf die Homepage der beiden. „Da haben wir gemerkt, dass ein Bedarf am Austausch zwischen Zwillingspaaren besteht“, sagt Christian.

Man muss schon wirklich sehr genau hinschauen, um auch nur ansatzweise Unterschiede zwischen den beiden zu finden. Auf den ersten Blick fällt einem wenig ein: Die gleiche Kleidung, ähnliche Gestik, das gleiche Lachen. Das mit der Kleidung machen sie aber nur zu besonderen Anlässen, da habe jeder seinen eigenen Stil. Ansonsten wissen sie selbst nicht mal, wo sie sich gravierend unterscheiden: „Äußerlich ist das ganz schwer“, meint Christian. Andreas zögert kurz und sagt dann: „Mein Bruder ist schon der Dominantere von uns beiden.“ So haben sie sich bisher immer ergänzt: Der eine hat die Ideen, der andere bemüht sich um die Umsetzung. „Wir sind nur ganz selten unterschiedlicher Meinung“, sagt Christian. Es gebe eine außergewöhnlich tiefe innere Verbindung zwischen ihnen: „Wenn ich Andreas sehe, dann weiß ich, was er denkt oder wie er sich gerade fühlt.“ Da brauche es keine Worte.

Wenn zwei so eng zusammenhalten, dann stößt das manchmal auch auf Widerstand. In der Schule wurden die beiden zu Außenseitern, weil sie sich nicht auseinanderdividieren lassen wollten. „Das war nicht immer schön“, meint Andreas. Klar, manchmal habe es auch Reibereien und Konkurrenzkampf zwischen den beiden gegeben. „So haben wir uns auch gegenseitig angespornt, mehr zu leisten“, meint Christian. Ihre Eltern haben immer darauf geachtet, beide gleich zu behandeln. Inzwischen sind sie ein klein wenig berühmt: Durch Auftritte im Fernsehen bei ARD, Sat1 und Arte. Das hat aber alles an ihrem Verhältnis nichts geändert: Sie wohnen noch zusammen bei ihren Eltern, arbeiten beim selben Arbeitgeber und haben sich jetzt sogar ein gemeinsames Haus gekauft. Autos, Kamera, Fernseher: Alles teilen sie sich brüderlich. Und wie ist das mit den Frauen? „Wir suchen immer noch ein weibliches Zwillingspaar, das zu uns passt“, grinst Christian.

Mehr Infos zum Zwillingstreffen unter www.zwillinge-berlin.de

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