Berlin : Doppelleben

Caroline Fetscher

Aus Vesna Bjelogrlic wurde Vesna Goldsworthy. Aus einer Belgraderin eine Londonerin, durch Heirat, im November 1986. Keiner, weder in ihrem neuen noch in ihrem alten Land konnte den Doppelnamen Bjelogrlic-Goldsworthy aussprechen, weder Serben noch Briten. So setzt die Selbstironie der „Belgrader Prinzessin“ ein, mit der die 1961 in Serbien geborene Autorin sich an ihrer Autobiografie versucht. „Heimweh nach Nirgendwo“ ist der erzählerisch über weite Strecken gelungene Versuch, zwei Puzzles zu einem zu fügen: die Geschichte ihres eigenen Lebens und die ihres Herkunftslandes, in dem sie als junge Lyrikerin populär war.

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„Kann es denn tatsächlich sein, dass ich in einer Welt hinter dem Spiegel aufgewachsen bin“, fragt sie angesichts des zerfallenden Jugoslawien, „die nicht mehr Substanz besaß als die gemalte Kulisse auf einer Theaterbühne?“ Den Krieg verfolgte Goldsworthy als Moderatorin beim serbischen BBC World Service, in London. Warum schreibt jemand so jung schon sein Leben auf? Goldsworthy war schwer krebskrank, ihr Sohn noch klein. Sie fürchtete, dass er die Mutter verlieren würde, ohne sie richtig kennen lernen zu können. Für ihn hat sie, sagt Goldsworthy, das Buch geschrieben. In der tödlichen Bedrohung durch die Krankheit scheint ungewollt ein Echo des fernen Konflikts mitzuschwingen. Und gelegentlich dringt eine leicht serbisch gefärbte Jugo-Nostalgie in den gleichwohl sehr lesbaren Text.

Vesna Goldsworthy: Heimweh nach Nirgendwo. Eine Lebensgeschichte. Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. Deuticke, Wien. 224 Seiten, 19,90 €.

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