Doppelmord von Wedding : Viele Tränen bei Trauerzeremonie im Hof der Moschee

Am Dienstagabend nahmen Familie und Freunde Abschied von der ermordeten Mutter und Tochter. Der 25-jährige Todesschütze weist seinem Ex-Schwiegervater eine Mitschuld zu.

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Trauer am Sarg.
Trauer am Sarg.Foto: dpa

Nach dem großen Schock kam die große Trauer. Am Dienstagnachmittag nahmen Familie und Freunde Abschied von Leyla und Nevin C., die am vergangenen Donnerstag nahe ihrer Wohnung in Gesundbrunnen erschossen worden waren. In der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm fand die Trauerfeier statt – und sie fiel etwas anders aus als es sonst bei muslimischen Zeremonien der Fall ist. „Aufgrund des großes öffentlichen Interesses handelt es sich hier schon um einen Sonderfall“, sagte ein Sprecher der Moschee. „Die Zeremonie dauerte länger als üblich. Auch kamen viele außerhalb des Familien- und Bekanntenkreises, um Anteil zu nehmen.“ Weit mehr Menschen als sonst fanden sich so im Hof der Moschee ein, außerdem beobachtete ein Teilnehmer einen weitaus größeren Anteil an Frauen als gewöhnlich.

Feride, die den Angriff ihres Exmannes überlebt hatte, trauerte wie ihr Vater an den mit Tüchern umhüllten Särgen ihrer Schwester und Mutter. Direkt vor der Moschee standen sie, und um sie herum versammelte sich die muslimische Gemeinde. „Es war bewegender als andere Zeremonien, die ich erlebt habe – schrecklich“, erzählt eine Bekannte der Opferfamilie. „Weil der Tod auf diese Weise kam. Das rechtfertigt keine Religion.“ So habe es auch der Imam (Vorbeter) – frei übersetzt – im Totengebet gesagt. Traditionell schließt sich die Trauerzeremonie an das Mittagsgebet an. Neben dem Totengebet, in dem an die Verstorbenen erinnert und den Hinterbliebenen Trost gespendet wurde, war eine Predigt vorgesehen. Danach trugen Angehörige die Särge unter den Tränen vieler Anwesender vom Moscheegelände.

Im Islam ist es üblich, die Toten so schnell wie möglich zu bestatten. Das birgt wegen der vorgeschriebenen medizinischen und forensischen Untersuchungen in Deutschland oft Probleme. Nicht aber im Fall der Familie C. „Die islamische Tradition ist uns bekannt. Die Obduktion wurde deshalb entsprechend zügig durchgeführt, um die Leichen schnell freizugeben“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth. Konflikte mit der Familie des Opfers habe es deswegen nicht gegeben. Die Leichen von Leyla und Nevin C. sollen in der Nacht zu Mittwoch in die Türkei überführt und dort im Heimatort der Familie in der Provinz Konya beerdigt werden.

Inzwischen hat der mutmaßliche Mörder, Mehmet Y., die Tat weitgehend gestanden. „Er hat die Schüsse eingeräumt“, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die genauen Beweggründe für die Tat müssten jedoch noch geklärt werden. Für eine Verurteilung wegen Mordes spielt das Motiv und die Vorbereitung der Tat eine entscheidende Rolle. Mit einer schnellen Anklage sei aufgrund der Komplexität des Geschehens nicht zu rechnen, der Fall werde aber wegen der besonderen Schwere der Tat bevorzugt behandelt.

Die mehrstündige Vernehmung von Y. durch die Mordkommission am Montag musste mithilfe eines Dolmetschers geführt werden, da der türkischstämmige Mann kaum Deutsch spricht. „Er ist in seiner Wahrnehmung nicht richtig präsent“, sagte ein Ermittler. „Er sucht die Schuld für die Schüsse bei anderen.“ Der 25-Jährige soll beispielsweise angegeben haben, dass der Vater seiner Exfrau mitverantwortlich für die Bluttat sei, weil er konsequent die Kontaktversuche von Y. zu seiner Tochter verhindert habe. Er sei deshalb völlig verzweifelt gewesen. Der Ermittler sprach hingegen von „einer natürlichen Reaktion“ eines Mordverdächtigen, der trotz erdrückender Beweislage die Schuld von sich weist.

Die Mordkommission versucht jetzt zu klären, wie der Schütze in den Besitz der Tatwaffe kam: „Hier stecken wir noch in den Ermittlungen“, sagte ein Beamter. Nach seiner Festnahme in der Nacht zu Montag hatte Y. die Polizei zu der Pistole geführt, die er in der Nähe des Tatortes in einem Gebüsch eines Hinterhofs versteckt hatte.

Der Gesuchte hatte sich tagelang in der Ruine eines stillgelegten Krankenhauses an der Hannemannstraße in Buckow versteckt, bis die Zielfahnder vom LKA ihn aufspüren konnten.

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