Doppelte Betreuung : Konkurrenz für die Treberhilfe

Ein neuer Verein für Sozialarbeit auf den Straßen macht der Treberhilfe Konkurrenz bei der Betreuung der Berliner Obdachlosen. Manche Sozialarbeiter haben bereits die Seite gewechselt.

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Der Streit um die Zukunft der Berliner Treberhilfe treibt immer skurrilere Blüten. Das Projekt Straßensozialarbeit für Obdachlose, vor 17 Jahren von der Treberhilfe erfunden, gibt es jetzt doppelt. Am Montagabend standen zwei Busse mit zusammen neun Sozialarbeitern am Bahnhof Zoo, um Wohnungslose mit warmen Getränken und guten Gesprächen zu versorgen. Die Sozialarbeiter belauerten sich aber vor allem gegenseitig, denn die Kundschaft machte sich rar. „Eine untragbare Situation“, schimpfte Streetworker Ingo Tuchel, ein Urgestein der Treberhilfe. Die Konkurrenz vom Verein „Gangway“ sah es gelassener. „Es gibt genug zu tun“, sagte Sozialpädagogin Silvia Rentmeister.

Hintergrund der Posse ist der Versuch von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke), der skandalumwitterten Treberhilfe die Zuwendungen von bislang jährlich 700 000 Euro für zwei langjährige Projekte zu streichen: Straßensozialarbeit und Beratung für Obdachlose. Bluhm entschied, künftig den Verein Gangway mit den Aufgaben zu betrauen. Sechs Streetworker kündigten bei der Treberhilfe und wechselten zu Gangway. Doch Treberhilfe-Gründer Harald Ehlert, der sich nach dem Skandal um seinen Maserati-Dienstwagen und fürstliche Gehaltszahlungen zurückgezogen hatte, klagte gegen die Streichung der Gelder vor dem Sozialgericht – und bekam recht. Sozialsenatorin Bluhm legte Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss ein.

Der Ausgang des Verfahrens ist offen. Die Sozialverwaltung bezahlt nun Gangway für die Arbeit mit Obdachlosen, die gleichzeitig von der Treberhilfe weitergeführt wird, vorerst auf eigene Rechnung. Der neue Treberhilfe-Geschäftsführer Gideon Joffe sagte: „Wir werden kopiert.“ Gangway könne mit der guten Ausstattung des Treberhilfe-Busses nicht mithalten. Ihr Bus werde noch ausgebaut, erklärte Gangway-Mitarbeiterin Rentmeister. Wichtiger sei die persönliche Beziehung zu den Obdachlosen durch die ehemaligen Treberhilfe-Streetworker.

Für die Obdachlosen gab es am Montag ein kleines Begrüßungspäckchen mit Gummibärchen und den neuen Telefonnummern.

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