Berlin : Doppelter Wahlkampf in türkischen Zeitungen

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Von Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Der Wahlkampf läuft in den türkischen Zeitungen bereits auf Hochtouren. „Das Parlament darf uns nicht vergessen", zitierte am Dienstag die Tageszeitung Türkiye den Vorstandsvorsitzenden des türkischen Vereins „Nizam-i Alem Federasyonu" in Frankfurt. Der Verein versucht das geistige Erbe des Osmanischen Reiches vor dem Vergessen zu bewahren. Er und die anderen Männer auf dem dazugehörigen Foto appellierten jedoch nicht an das deutsche Parlament, sondern an das in Ankara. Denn auch in der Türkei finden bald Parlamentswahlen statt, und die Auslandstürken müssen im November Richtung Türkei fliegen, wenn sie an den Wahlen dort teilnehmen wollen. Briefwahl oder Stimmabgabe in den Generalkonsulaten ist nicht möglich.

Der Artikel war der Aufmacher der fünften Seite, obwohl der Verein nicht gerade zu den bedeutendsten und größten türkischen Vereinen in Deutschland zählt. Aber je näher der Wahltag rückt, umso deutlicher zeigen auch die türkischen Zeitungen, wo sie politisch stehen. Von Zeit zu Zeit erweckt diese Zeitung den Eindruck, als sei sie das Sprachrohr der rechts-nationalistischen Partei MHP.

Auch dem Islam räumt die Zeitung recht viel Platz ein. Religiöse Kolumnen, die die türkischen Leser in Deutschland an ihre Pflichten als Moslems erinnern, sind fester Bestandteil dieser Zeitung. Wohl deshalb ist eine Anzeige für „Aladin Baby Food" nur in dieser Zeitung erschienen. Die Babynahrung ist laut Hersteller garantiert „halal" (islamisch rein). Das soll heißen, dass die Nahrung mit dem Fleisch von geschächteten Tieren hergestellt worden ist. Auch für Berlin war eine Handynummer zum Bestellen angegeben.

Doch zurück zum Wahlkampf. Die Zeitungen haben natürlich auch mit der Berichterstattung über den Wahlkampf in Deutschland angefangen. In der Türkiye gab es zum Beispiel Aufrufe von türkischstämmigen Politikern, am 22. September zu den Wahlurnen zu gehen. Am Dienstag wurde etwa der CDU–Politiker Bülent Arslan aus Nordrhein-Westfalen zitiert, der um ein Mandat im Bundestag kämpft. Am Freitag waren die Politiker Celal Turhan und die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz von den Grünen dran. Sie lächelten in die Kamera und versprachen, sich für noch mehr Rechte für die Türken in Deutschland einzusetzen. Selbst einem Türken mit rechts-nationalem Gedankengut dürfte es schließlich egal sein, welche deutsche Partei er wählt, solange er dort seine Interessen vertreten sieht.

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