• Dorfstr.31, Groeben, Anfahrt vom Berliner Ring Ausfahrt Ludwigsfelde West, dort über Siethen nach Groeben, Tel. 03378/8618-0, geöffnet: täglich von 10-22 Uhr, kein Ruhetag

Berlin : Dorfstr.31, Groeben, Anfahrt vom Berliner Ring Ausfahrt Ludwigsfelde West, dort über Siethen nach Groeben, Tel. 03378/8618-0, geöffnet: täglich von 10-22 Uhr, kein Ruhetag

Bernd Matthies

Ja, So Ist Es Schön. Irgendwo hinter den blühenden Robinien zwitschert die Nachtigall, ein Bach fließt träge in Richtung Sonnenuntergang, die Kinder turnen in einem großen Baumhaus herum, ein Pony schnaubt auf der Koppel, und selbst die Mücken sind zu träge, um irgendwelchen Ärger zu machen. Patsch! Noch ein Schluck Grauburgunder. Diese Ruhe . . .

Ja, diese Idylle klingt zu schön, um wahr zu sein, dabei ist sie vom Berliner Ring nur ein paar Minuten entfernt und von Potsdam nicht viel weiter. Ich hätte mir nun zu allem Überfluß auch noch gutes Essen gewünscht, aber das war, wie so oft im Lande Brandenburg, wieder ein Wunsch zuviel.

Von vorn. "Theodore F." heißt das kleine, ebenso nette wie bescheidene Landhotel im kleinen, ebenso netten wie bescheidenen Weiler Groeben; wer F. ist, müssen wir nicht lange fragen, und nur das prätentiöse e hinter dem Theodor deutet gewisse Ambitionen an. Fontane war wohl öfter mal in diesem Ort, und er hätte das Anwesen sicher gemocht. Bei unserem ersten Besuch waren wir auch recht beeindruckt, studierten mit Interesse die Speisekarte, die sich für regionale Spezialitäten und regionale Lieferanten rühmt, bestellten - und erfuhren dann, daß praktisch nichts davon mehr da war. Wiedersehen! Jetzt, gegen Ende der Spargelsaison, sah es ein wenig besser aus, allerdings stellten wir mit Skepsis fest, daß sich die Zahl der verlockenden Vorspeisen in ebenso engen Grenzen hielt wie das Dessertangebot, aber irgendwo muß man ja mal anfangen, mit, ächz, Spargelcremesuppe.

Das Wunder blieb aus: dick mit Mehl gebunden, mit Sprühsahne und ein paar rosa Pfefferkörnern dekoriert, plump und völlig undelikat. Muß man die Reste denn unbedingt zusammen mit den Gästen verwerten? Dazu gab es Bauernbrot, dessen Hersteller in der Karte ebenfalls angegeben wird - schön für ihn, aber nicht für uns, denn die trockenen Scheiben (ohne Butter) fühlten sich verdächtig nach Tiefkühlung an. Der Salat mit mariniertem grünen Spargel erheiterte uns ein wenig mehr, denn der Spargel war üppig zugeteilt, schön bißfest (und ein wenig salzlos) gekocht, die leicht süßliche Vinaigrette schwappte traulich darunter, und die Portion an Salatblättern hätte einer Meerschweinchenherde nicht nur Kost, sondern auch Unterschlupf geboten. Einige Sprossen, einige Gurkenscheiben.

Wenig später kehrte akkurat die gleiche Salatkomposition zurück, denn wir hatten die halbe Ente mit mariniertem grünen Spargel bestellt. Die Ente sah ganz nett aus, war allerdings bei weitem nicht so knusprig wie versprochen und weitgehend aromafrei. Schließlich Wels im Tomatensud, ganz angenehmes Aroma mit kräftigem Sellerieüberhang, schön würzig und schön fest, obendrauf eine dieser gelben sogenannten holländischen Saucen, mit Schmackes dunkel- bis schwarzbraun gratiniert. Zum Dessert hatten wir die Wahl zwischen Kuchen und einigen Eiskombinationen, die allerdings - wie man uns ohne viel Getu versicherte - aus der Fabrik kamen. Dann eben nicht.

Ich finde so etwas abgrundtief schade. Denn da wird mit Ehrgeiz und Geschmack ein hübsches Anwesen auf die Beine gestellt, und ausgerechnet die Küche fällt dann in die Hände eines lustlosen Hobbykochs, der einfach nur mal in Potsdam nachsehen müßte, um zu erkenne, wie weit sein Küchenstil hinter der Zeit zurückliegt. Der für 33 Mark außerordentlich preisgünstige 96er badische Grauburgunder (Reichsgraf zu Hoensbroech) tröstete uns, der solo herumflitzende Kellner gab sich Mühe, aber damit hatte es sich dann auch schon.

Am Wochenende wird bei schönem Wetter draußen gegrillt, wahrscheinlich eine angenehme Sache. Aber sonst liegt der Unterschied zwischen diesem Haus und den vielen Abfütterungsstätten der Umgebung darin, daß es so aussieht, als dürfe man mehr erwarten. Darf man aber nicht.



Auswahl Umland

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar