Berlin : Dos Piranhas

Frank Jansen

Widmen wir uns gleich mal den Drinks. Die Berliner Bar mit den offenkundig allermeisten Cocktails, nämlich 365 und damit für jeden Tag im Jahr einen, war das Dos Piranhas in Kreuzberg. Vermutlich wurde in einem Schaltjahr schnell noch ein 366. Mixgetränk erfunden. Aber das ist alles Geschichte. Die nette, halbdunkle Bar neben dem Yorck-Kino hatte im vergangenen Jahr eine Zeitlang geschlossen, die Zukunft erschien unklar. Inzwischen schwimmen die zwei Piranhas wieder auf der Yorckstraße. Allerdings in deutlich weniger Drinks. Doch immer noch genug, um mehr als einen Monat Tag für Tag einen anderen Cocktail zu präsentieren. Aber stimmt die Qualität noch? Früher war sie erstaunlich: 365 Cocktails und bei keiner Stichprobe des drinking man jemals ein schlechter – was für ein Maßstab.

Der neue Betreiber hat nicht nur eine schlankere Getränkekarte eingeführt, verzichtet wird auch auf die Cartoons und Wilhelm-Busch-Aphorismen, die das alte Opus zierten. Schade eigentlich, aber der Verzicht auf den Humor des Vorgängers muss nicht zwangsläufig um die Qualität der neuen Drinks fürchten lassen. Solche Bänglichkeit wäre auch, wie der drinking man und ein compañero jetzt feststellen konnten, völlig überflüssige Hysterie.

Der Mai Tai war nicht so wuchtig wie in anderen Bars, aber Aroma und Konsistenz waren einwandfrei. Vergleichsweise üppig kam im großen kelchförmigen Cocktailglas der Gimlet – und er schmeckte sehr gut. Der Singapore Sling war hingegen kleiner bemessen, aber ebenfalls lecker. Als blutroten Pappschneehügel servierte der Keeper den Frozen Cherry Natascha (Wodka, frisches Kirschpüree, frischer Zitronensaft, Kirsche, Cointreau). Was soll man sagen – es war ein ungemein süffigsüßes Trinkvergnügen. Na bitte: Die Piranhas schwimmen wieder ganz oben mit.

Außerdem wirkt die nur sachte renovierte Bar noch einen Tick intimer als einst. Eine Wand ist jetzt mit einer goldgrundierten Mustertapete voller rötlicher Arabesken beklebt. Dicke, orientalisch anmutende Kissen drapieren die Sitzbank links. Über dem Dunkelholztresen hängen drei ranke Kronleuchter. Die Musik war angenehm wie selten in Berliner Lokalen: E-Tango wechselte sich ab mit Oriental-Pop, die Lautstärke blieb gedämpft. Ideal für zartes Pärchengeplauder oder entspannten Damen- respektive Männertalk.

Wer wollte jetzt noch behaupten, Piranhas seien blutrünstige Killerfischchen. Die Kreuzberger Gattung beißt nicht, sie knabbert nur zart an der Leber ihrer Gäste.

Dos Piranhas, Yorckstraße 81, Kreuzberg, Tel.: 78 95 13 26, täglich ab 18 Uhr

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