Berlin : Dr. Motte kreist unter der Decke

Loveparade-Gründer ist empört über Rauswurf und weist die Vorwürfe seiner Nachfolger zurück

Lars von Törne

Die Stimme auf dem Anrufbeantworter klingt fassungslos. Wie die Worte eines verstoßenen Liebhabers, der tief verletzt ist und die Welt nicht mehr versteht. Am Donnerstag um 7 Uhr 34 rief Dr. Motte im Tagesspiegel an und landete auf der Mailbox. Mit gepfefferten Worten machte sich der Gründer der Loveparade darüber Luft, wie wenig er von den neuen Chefs in dem von ihm gegründeten Unternehmen hält, die dank ihres Millionensponsorings jetzt die Fäden des Tanz-Umzugs in der Hand halten.

Vor 17 Jahren hatte Matthias Roeingh, wie Dr. Motte wirklich heißt, die Loveparade ins Leben gerufen, in den 90ern wurde der Techno-Umzug durch den Tiergarten zum internationalen Aushängeschild Berlins. In den letzten zwei Jahren fiel die Parade jedoch mangels Sponsoren aus, erst durch die Übernahme durch den millionenschweren Fitnessketten-Chef Rainer Schaller hat der Umzug jetzt am 15. Juli wieder eine Chance.

Dr. Motte stand dem Neuanfang offenbar im Wege, am Mittwoch wurde er wie berichtet von seinen Nachfolgern wegen Meinungsverschiedenheiten über die Parade unsanft vor die Tür gesetzt. Mottes Reaktion gestern Morgen am Telefon sprach von Unverständnis, Enttäuschung und Ärger. Mit seinem Traum von der Loveparade hätten die Pläne des neuen Geschäftsführers nichts mehr zu tun, über ihn würde Lügen verbreitet, die Parade diene nur als Vehikel, um für Schallers Konzern McFit zu werben…

Zwei Stunden später hatte es sich Dr. Motte noch mal überlegt. So, wie er sich am Telefon ausgelassen hat, möchte er in der Zeitung nicht wörtlich zitiert werden, teilte er mit. Stattdessen schickte er eine sehr abgewogen formulierte Presseerklärung, in der er schreibt, wie froh er sei, dass die Parade in diesem Jahr wieder stattfindet. Die von den neuen Chefs tags zuvor erhobene Kritik an der musikalischen Einseitigkeit der Parade zu Mottes Zeiten weist er zurück. Woran die Zusammenarbeit mit der neuen Führung gescheitert ist, bleibt jedoch unklar, lediglich von „unterschiedlichen Standpunkten“ ist die Rede. „Für eine beliebige Electronic Dance Parade stehe ich nicht zur Verfügung“, schreibt Dr. Motte abschließend. Deswegen mache er den Weg frei. „Ich wünsche allen Teilnehmern der Loveparade Berlin, dass sie ihren Spirit behalten.“ Künftig wolle er sich wieder mehr um die Arbeit als weltweit gebuchter Discjockey und seine Musiklabels kümmern.

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