Berlin : Drachentöters Rückkehr

Das Nikolaiviertel feiert den aufpolierten St. Georg Die Skulptur ist Schutzpatron und Touristenmagnet

von
Ross, Reiter, Restaurator. Sankt Georg in der Werkstatt von Bernd Helmich. F.: Rückeis
Ross, Reiter, Restaurator. Sankt Georg in der Werkstatt von Bernd Helmich. F.: Rückeis

Die Zeit ohne Georg, den heiligen Ritter und mutigen Drachentöter, ist nun bald vorbei. Am 24. Juni feiern die Nikolaiviertler die Wiederkehr ihres Schutzpatrons. Fast eineinhalb Jahre fehlte die – nach der Nikolaikirche – zweitgrößte und am häufigsten fotografierte Attraktion in der einstigen Keimzelle Berlins. „Nun kommt er endlich wieder auf seinen Sockel. Wir haben ihn vermisst. Und sind froh, wenn er wieder da ist“, sagt Udo Pape, der Geschäftsführer der Spreeblick-Gaststätten und Vorsitzende des Nikolaiviertel-Vereins. Rund um den alten, neuen Heiligen gibt es vom 24. bis 26. Juni ein „Georgsfest“ mit vielen Aktionen der Händler des Viertels, die nun darauf hoffen, dass ihr Besuchermagnet wieder die Touristen lockt, wenn sie durchs Baustellenchaos am Roten Rathaus vorbei zur Wiege der Stadt strömen.

Heute steht Georg noch in Adlershof und erwartet seine Befreiung vom Baugerüst, auf dem Restaurator Bernd Helmich mit seinen Mannen kleinere Schäden wie Korrosionsherde und allerlei Ablagerungen beseitigt hat. „Georg wurde gereinigt und konserviert, wir haben einige Teile ergänzt und das Schwert vervollständigt“, sagt der Restaurator. Auch der Sockel mit seinen Granitquadern wurde instandgesetzt. Für Bernd Helmich war dieser Auftrag etwas Besonderes: „Es ist schön, einer solch beeindruckenden Arbeit wieder zu alter Schönheit zu verhelfen“, sagt er und lobt die „fantastische bildkünstlerische Leistung“ des Bildhauers August Kiss, dessen Georg 1855 in Lauchhammer gegossen wurde.

Künstler Kiss schenkte die Skulptur dem preußischen Staat, also dem König, der damit den Sieg des Guten mitten im Schlosshof immer vor Augen hatte. Vor der Sprengung der Reste vom Schloss anno 1950 wurde Georg in den Volkspark Friedrichshain gebracht, von wo er 1987 als Zeuge uralter Zeiten ins neu gebaute Nikolaiviertel kam und seither am Ufer der Spree mit dem Drachen kämpft. Ob er jemals wieder in den Schlosshof reitet, wissen nicht einmal die Götter, das Nikolaiviertel möchte jedenfalls seinen Georg behalten. Dorthin kommt der achteinhalb Tonnen schwere Reiter im Jung-Siegfried-Look am 23. Juni auf dem Wasserweg: Von der Adlershofer Werkstatt geht es erst mit einem Schwerlasttransporter zum Rudower Hafen und dann im Bauch eines Schubschiffs ins Nikolaiviertel. Dort wird der frisch geputzte Ritter dann gebührend gefeiert. Lothar Heinke

0 Kommentare

Neuester Kommentar