Drängeln vor der Wuhlheide : Bäume weg für mehr Sicherheit

Immer wieder gibt es Gedränge vor dem schmalen Zugang zur Wuhlheide. Die Verantwortlichen sagen: Würde gerodet, wäre Platz für mehr Schleusen.

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Wenn sie kommen, kommen sie alle: Bei den Konzerten gefragter Künstler ist der Besucherandrang zu groß für den kleinen Zugang zur Wuhlheide.
Wenn sie kommen, kommen sie alle: Bei den Konzerten gefragter Künstler ist der Besucherandrang zu groß für den kleinen Zugang zur...Foto: dpa

Wer in die Wuhlheide möchte, braucht eine gut trainierte Blase, beachtliches Stehvermögen und einen stabilen Kreislauf. Denn die 17 000 Besucher, die am Wochenende zum Konzert der Foo Fighters wollten, mussten wie berichtet lange im dichten Gedränge vor dem Eingang stehen – und das für eine Strecke von wenigen Metern. „Wir haben zwei Stunden angestanden“, berichteten hinterher Tagesspiegel-Leser. Ein anderer meinte: „Das geht in der Wuhlheide schon seit vielen Jahren so – egal ob bei Springsteen, Clapton, bei den Ärzten oder Robbie Williams.“ Am Konzertabend erinnerte so mancher an die Situation bei der Love Parade in Duisburg.

Die Veranstalter haben das Gedränge am Wochenende noch einmal untersucht. Angelika Lessnick von der Parkbühne Wuhlheide spricht „von einer Ausnahmesituation, wie es sie glücklicherweise nur sehr selten gibt“. Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen hätten zum Einlassstau geführt. „Gewissenhafte Körperkontrollen dauern einfach ihre Zeit“, so Lessnick. Und sie seien notwendig, da nicht nur Waffen und Fackeln, sondern auch spitze Regenschirme und Flaschen große Risiken darstellten. Mehrere Augenzeugen haben die Situation an den Kontrollschleusen allerdings anders erlebt. Manche Besucher wurden gar nicht abgetastet.

„An diesem Abend war das Maximum an Ordnern im Einsatz“, sagt Lessnick. Das Sicherheitskonzept werde jedes Jahr mit der Polizei, Feuerwehr und Bauaufsicht angepasst. Auch am Sonnabend war die Veranstaltungstechnikerin zusammen mit dem Konzertveranstalter Loft Concerts und der Firma Best für die Sicherheit rund um das Konzert zuständig. Best ist eine der Größen in der Branche, stellt auch die Ordner bei Hertha BSC im Olympiastadion.

Der Best-Geschäftsführer, Henry Klemm, gibt ebenfalls an, dass sein Personal in Höchstzahl im Einsatz war. Wie viele es genau waren, will er nicht sagen. Aber er hat einen Vorschlag, um das Gedränge in der Wuhlheide aufzulösen: „Natürlich könnte man die Wartesituation für die Besucher komfortabler gestalten, wenn man den Eingangsbereich durch Rodung von Bäumen vergrößern würde.“

Ähnliches in Verbindung mit zusätzlichen Eingängen und Schleusen schlägt auch Lessnick von der Parkbühne vor; bislang gibt es für die 17 000 Menschen zwölf Schleusen. So wäre zumindest eine offenere Raumsituation ähnlich wie vor den Eingängen der Waldbühne geschaffen. Dort verteilen sich die Besucher auf dem großen Vorplatz. „Doch solche Entscheidungen können wir selbst nicht treffen, da das Gelände den Berliner Forsten und der Kulturverwaltung gehört“, sagt Lessnick. Auf ihrem eigenen Gelände herrsche zudem strenger Denkmalschutz.

Die wartende Menschenmenge im Eingangsbereich wäre vermutlich auch etwas kleiner ausgefallen, wenn die S-Bahn nicht im 20-Minuten-Takt in die Wuhlheide gefahren wäre. Aufgrund der S-Bahn-Krise werden derzeit auch kürzere Züge eingesetzt. Dabei hat die S-Bahn aufgrund der Kombiticket-Vereinbarung zwischen dem Veranstalter und der BVG an diesem Abend fast 8000 Euro eingenommen. Die S-Bahn entschuldigte sich am Montag für die Unannehmlichkeiten, betont aber auch: „ Die Erwartungshaltung, dass nach Konzertende innerhalb von 20 beziehungsweise 30 Minuten die überwiegende Mehrzahl der Besucher mit der S-Bahn in Richtung Innenstadt befördert ist, kann nicht erfüllt werden.“ Die Besucher nahmen das Gedränge gelassen hin, sowohl auf dem vollen Bahnsteig als auch in der vollen Bahn.

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