Berlin : Drama auf der Insel

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„Es war wie eine Wand, die plötzlich da war“, beschrieb Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke die Sekunden, bevor auf Schwanenwerder der Orkan losbrach. Innerhalb kürzester Zeit knickten starke Bäume wie Streichhölzer um. Und das Zeltlager mit Angehörigen von Jugendfeuerwehren aus der ganzen Bundesrepublik endete in einer Katastrophe. Zwei 14- und 15-Jährige Jungen aus Köpenick und Frankfurt/Main wurden von Bäumen erschlagen, 13 ihrer Kameraden und Erzieher teils schwer verletzt. Äste trafen sie, auf der Flucht votr dem Orkan, sie stürzten. Warum sich die beiden Jungen der Gruppe nicht gleich anschlossen, noch ungeklärt. Der eine wurde in einem Zelt nahe dem Wasser von einer tonnenschweren, 60 Zentimeter dicken Weide erschlagen. Vermutlich wollte er noch etwas aus dem Zelt mitnehmen. Nur etwa 20 Meter weiter traf ein Baum den anderen Jugendlichen vermutlich in den Rücken, als er sich in Sicherheit bringen wollte.

Rucksäcke, Badeschuhe, Speisereste, Getränke und Schlafsäcke zeigten noch am Donnerstagvormittag, wo am Abend gespielt, gegrillt und herumgetollt worden war. Der Zeltplatz galt als sicher. Noch vergangene Woche seien der Platz und die Bäume geprüft worden, sagte der Steglitzer Baustadtrat Uwe Stäglin. Dabei seien auch trockene Äste, die eine Gefahr bildeten, entfernt worden. Am Donnerstag hatten sich die Jugendlichen mit amerikanischen Kindern und Jugendlichen getroffen, die ihre Väter am 11. September verloren. Diese wurden gegen 19.30 Uhr zurück ins Hotel gefahren.

Obwohl sie, wie Feuerwehrchef Albrecht Broemme sagte, auch gerne auf dem Zeltplatz übernachtet hätten. Broemme war selbst mit seiner Tochter auf der Insel. Gegen 19 Uhr hatte die Feuerwehr bereits drei unterschiedliche Unwetterwarnungen vom Deutschen Wetterdienst erhalten. In der letzten von 15.28 Uhr wurde unter anderem vor „Sturmböen um 28 Meter pro Sekunde“ – das entspricht etwa Windstärke 10 - verwiesen. Broemme ordnete für den Fall eines Unwetters an, die Kinder vom unteren Bereich des Zeltplatzes am Wasser zum höher gelegenen Teil zu bringen und fuhr dann seine Tochter und deren Freunde nach Hause.

Und dann kam das Unwetter – ohne Vorwarnung. In Wannsee wurden Windgeschwindigkeiten bis 152 Km/h gemessen: ein Orkan der Stärke 14. Das Schlimmste für die Helfer war, dass sie nicht zur Unglücksstelle vordringen konnten: Mehrere querliegende Stämme mit Durchmessern von bis zu 60 Zentimetern blockierten die einzige Zufahrtsstraße zur Insel. Die Retter ließen die Autos stehen, und Ex-Polizeipräsident Georg Schertz, der auf der Insel wohnt, fuhr sie zum Zeltplatz. Inzwischen war auch die Rettung zu Wasser im Gang. Die Wasserschutzpolizei hatte ihre Boote losgeschickt, Boote der DLRG waren unterwegs, das Löschboot der Feuerwehr rückte von der etwa zwei Kilometer entfernten Wache Wannsee am Kronprinzessinnenweg aus. Dorthin wurden alle Verletzten transportiert. weso

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