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Drama in Dahlem : Versuchte Selbstverbrennung vor Libyscher Botschaft in Berlin

Vor der Libyschen Botschaft in Berlin-Zehlendorf hat sich am Freitag ein Mann angezündet, der noch immer in Lebensgefahr schwebt. Er wollte angeblich mehr Geld für medizinische Betreuung..

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Berlin-Dahlem, Podbielskiallee. Hier geschah der Vorfall am Freitag.
Berlin-Dahlem, Podbielskiallee. Hier geschah der Vorfall am Freitag.Foto: AFP

Ein paar Kamerateams, rot-weiße Absperrgitter auf dem Mittelstreifen der Podbielskiallee in Dahlem und ein Polizeiauto – das ist alles, was am Freitagmittag an das Drama erinnert, das sich kurz zuvor hier zugetragen hat.
Gerald F. (Name geändert) steht mit den Kollegen vom Sicherheitsdienst ESB vor dem Eingangstor der Libyschen Botschaft und klopft seine Handschuhe aus. Mit denen hat er zwei Stunden zuvor den jungen Mann zu löschen versucht, der sich vor der Botschaft verbrennen wollte.

Die Sicherheitsleute löschten die Flammen am Körper des Mannes

„Da drüben hat er gelegen“, sagt Gerald F., immer noch erschüttert. „Da drüben“ auf der anderen Alleeseite wurden ein paar welke Blätter aus dem Vorjahr über die Rußflecke und Ölreste gekehrt. Hier war der 24-Jährige zusammengebrochen. Gerald F. und sein Kollege haben ihm die Reste der brennenden Kleidung vom Körper gerissen und die Flammen erstickt.
Ob sie den in Libyen geborenen Tunesier retten konnten, ist unklar. Im Unfallkrankenhaus Marzahn kämpften die Ärzte bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch um sein Leben.

Er übergoss sich mit Lampenöl

Gegen 10.45 Uhr hatte der Mann um Einlass in die Botschaft gebeten. Weil er dort zwei Tage zuvor schon einmal damit gedroht hatte, sich umzubringen und weil er eine Flasche mit Lampenöl bei sich trug, informierten die Sicherheitsleute sofort die Polizei. Als sich der Streifenwagen näherte, übergoss sich der 24-Jährige mit dem Lampenöl, rannte quer über die Allee und zündete sich mit einem Feuerzeug an.

Der 24-Jährige hatte gegen Gaddafi gekämpft

„Wir sind alle sehr schockiert“, sagt der 1. Sekretär der Libyschen Botschaft, Ibrahim H.I. Matoug. Und versucht, gemeinsam mit weiteren Botschaftsmitarbeitern, den Hintergrund zu (er)klären: Der junge Mann sei ein in Libyen geborener Tunesier, der im Bürgerkrieg 2011 gegen den damaligen Diktator Muammar al-Gaddafi kämpfte. Zum Dank dafür sei ihm wie vielen anderen Ausländern ein libyscher Pass ausgestellt worden – auch, weil man wusste, dass europäische Staaten damals Libyer als Asylsuchende aufnahmen.
Außerdem hätten im Bürgerkrieg oder bei anderen Auseinandersetzungen verletzte Libyer - etwa sechs- bis siebenhundert von ihnen sollen laut Botschaft in Deutschland leben - Anspruch auf eine Art Rentenzahlung für die medizinische Betreuung. Und genau darum sei es bei dem jungen Mann gegangen. Er sei angeblich angeschossen worden. „Die Ansprüche müssen eigentlich in der libyschen Hauptstadt Tripolis geltend gemacht werden“, sagt der Botschaftssekretär. Hier in Deutschland sei dafür eine Außenstelle in Pankow zuständig. Die prüfe entsprechende Anträge und habe offenbar dem jungen Mann die Zahlung von Geld verweigert. Der habe sich daraufhin an die Botschaft gewandt.

Am Mittwoch hatte der Mann sich schon einmal selbst verletzt

„Das ist in Einzelfällen nicht unüblich“, sagt Ibrahim Matoug: „Der Botschafter versucht zu helfen, wenn es nötig und möglich ist, aber ein Anspruch leitet sich daraus nicht ab.“ Der 24-Jährige habe aber mehrfach Geld verlangt und im Mai und Juni jeweils 1000 Euro erhalten. Als er am vergangenen Mittwoch erneut vorstellig wurde, sei ihm mitgeteilt worden, dass es kein Geld mehr gebe. Daraufhin habe er den Botschafter zu sprechen verlangt, der sich aber gar nicht im Haus aufhielt.
Der junge Mann habe sich daraufhin in der Toilette der Botschaft den Oberkörper und Bauch mit einer Rasierklinge aufgeschnitten. Als ihn Sicherheitskräfte davon abbringen wollten, habe er sich die Klinge an den Hals gehalten und gedroht, sich die Schlagader aufzuschneiden. Sicherheitskräfte und Botschaftsmitarbeiter hätten ihn schließlich zur Aufgabe bewegen können, der Mann sei ins Krankenhaus Benjamin Franklin gekommen.

Es gab schon mehrere Vorfälle

„Wir sind sehr erstaunt, dass der Mann schon wieder entlassen wurde", sagte der Sekretär der Botschaft: „Wir sind auch sehr betroffen, dass so ein junger Mensch zu solchen Mitteln greift und hoffen, dass er überlebt." Erpressen lassen könne man sich aber auch nicht.
Die Polizei bestätigt den Vorfall vom Mittwoch. „Unsere Kollegen haben zwar die Botschaft nicht betreten, waren aber vor Ort“, sagt ein Sprecher. Da die Verletzungen nur oberflächlich waren, habe man nicht weiter eingreifen müssen.
Es war nicht der erste Vorfall, bei der es um Geldzahlungen an libysche Bürgerkriegsteilnehmer ging. Bereits im November 2012 kam es in der Botschaft zu einem heftigen Streit, bei dem ein Mann mit einer Schere schwer verletzt wurde. Kleine Streitigkeiten gäbe es immer mal wieder in der Botschaft, heißt es bei der Polizei.

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