Berlin : Dramatiker Hochhuth greift Ex-Senator Nagel an

In neuem Stück wirft er ihm Korruption vor

Christian van Lessen

Von einem „kriminellen Skandal“ spricht der Dramatiker Rolf Hochhuth, wenn er an den Verkauf eines Grundstücksteils der Akademie der Künste an das benachbarte Adlon denkt. Das war vor sechs Jahren. Aber wenn in der nächsten Woche am Theater in Brandenburg Hochhuths Komödie „Familienbande“ uraufgeführt wird, geht es in einigen Passagen auch um den Grundstücksverkauf. Die Politik kommt nicht gut weg.

Vor allem dem einstigen Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) müssen die Ohren klingen, sein Name fällt häufig. Es ist eine Komödie, versichert Hochhuth. Aber er meint es ernst. Er lässt den fiktiven älteren Senatsrat Schachwitz über Korruption in den Ämtern sprechen. Der Baubeamte selbst betrügt die Stadt. Aber dass Berlin in der Person des früheren Senators Nagel ein Grundstück der Akademie gegen deren Widerstand dem Adlon „zugeschanzt“ hat und dieser „dafür Geschäftsführer im Adlon-Konzern“ wurde – das erzürnt den Senatsrat. Schwarz auf weiß ist das auch im Buch „Familienbande“ zu lesen. Nagel kennt es nicht.

Was er gehört hat, sagt er, seien „absurde Unterstellungen des mir unbekannten Buchautors“. Er werde nicht juristisch vorgehen, um zu höherer Auflage oder mehr Zuschauern beizutragen. „Mich interessiert der ganze Vorgang nicht.“ Bei der Entscheidung über die Teilung des Akademie-Grundstücks und des Verkaufs des südlichen Teils an der Behrenstraße an die Fundus- Gruppe (ihr gehört das Adlon), sei er schon lange nicht mehr Bausenator gewesen. Er habe also seitens des Senats niemandem etwas „zuschanzen“ und dafür mit einer Position in diesem Unternehmen „belohnt“ werden können. Er sei schon Geschäftsführer in einem Unternehmen der Fundus-Gruppe gewesen, „und das ganz ohne Gegenleistung, sondern ausschließlich aufgrund meiner Qualifikation“. Die Freiheit der Kunst erlaube es, „jeden Quatsch literarisch oder dramaturgisch zu verwenden.“ Nagel war von 1989 bis Ende 1995 Bausenator, bei Fundus arbeitete er bis 2004, seitdem ist er selbstständiger Immobilienberater. Auch die Akademie spricht von künstlerischer Freiheit eines Autors, von „Schnee von gestern“. In ihren Unterlagen lässt sich der Protest gegen den vom Senat gewollten Grundstücksverkauf belegen, ist aber auch von einem Kompromiss die Rede. Zu diesem Zeitpunkt hieß der Bausenator Jürgen Klemann (CDU).

Wegen des kleineren Grundstücks fiel der 2005 eröffnete Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz gedrängter aus, Magazinräume wurden in den Keller verbannt. Im Hauptausschuss ging der Verkauf für rund acht Millionen Euro 1999 über die Bühne. Der Bau des Tiefgeschosses sei teurer gekommen als die ganze Einnahme durch den Grundstücksverkauf, erinnert sich der bündnisgrüne Abgeordnete Oliver Schruoffeneger. Das Ganze erscheine ihm „nicht ganz sauber“.

Hochhuth selbst spricht von „Kulturschande“. Er vermutet nach wie vor, dass der frühere Bausenator beteiligt war. „Er konnte das natürlich nicht machen als noch amtierender Senator.“ Die Akademie hätte sich über den Tisch ziehen lassen, anstatt mit der Vermietung von Räumen an das Adlon viel Geld zu kassieren. Außerdem sei „nicht ein Cent“ vom Geld für das Teilgrundstück an der Behrenstraße für das neue Haus „verbaut“ worden. Er habe nun als Mitglied der Akademie der Künste den Antrag gestellt, gerichtlich die Rückgabe des verkauften Grundstücks zu verlangen.

Das hat nun mit der Komödie nichts mehr zu tun.

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