Berlin : Dramen des Alltags

Dorothee Brix schreibt über echte Menschen und Gefühle. Ein Stück der Berlinerin wird heute beim Theatertreffen gelesen

Judith Hyams

Wie sie in der Sonne sitzt, im achten Monat schwanger, und grünen Tee in kleinen Schlucken trinkt, ist sie die Ruhe selbst. Aber ein bisschen aufgeregt ist Dorothee Brix schon, schließlich ist die 30-jährige Autorin eine von sieben Auserwählten, die sich für den diesjährigen „Stückemarkt“ qualifiziert haben. Seit 26 Jahren ist er Teil des Berliner Theatertreffens, hier haben junge Autoren die Chance, ihre Werke und ihre spezielle Sicht auf die Welt zu präsentieren. Seit vergangenem Jahr ist der „Stückemarkt“ offener und europäischer, erstmals können Autoren mitmachen, die noch nicht veröffentlicht haben. Über 300 haben sich in diesem Jahr beworben.

So war die Freude groß, als Dorothee Brix von ihrer Wahl hörte. Stolz, dass ihr Stück „Zuhause“ die Jury überzeugt hat, erhofft sie sich jetzt, von der Theaterwelt wahrgenommen zu werden. Und die Chancen sind gut, der „Stückemarkt“ gehört zu den besten Plattformen für junge Dramatiker. Die ausgewählten Stücke werden in szenischen Lesungen von Schauspielern inszeniert, vor allem darauf freut sich Dorothee Brix: „Das Spannende an Theatertexten ist, dass ein Stück von den Schauspielern und vom Regisseur zu ganz neuem Leben erweckt wird.“

Das Theater zieht sich als Konstante durch ihr Leben. Schon im Studium stand sie selber auf der Bühne, dann arbeitete sie zwei Jahre lang als Regieassistentin im Jungen Theater in Göttingen. Vor vier Jahren schließlich zog sie nach Berlin, betreute für die Agentur Players Schauspielerinnen wie Katharina Thalbach und Nina Hoss. Eine Zeit, die Dorothee Brix genoss, die ihr aber nicht genug Zeit zum Schreiben ließ. Mit der Aufnahme in die „Werkstatt für junge Autoren“ der Neuen Gesellschaft für Literatur (NGL) entschied sie sich dann, nur noch zu schreiben. „Das Schreiben und das Theater sind meine Leidenschaft“, sagt Dorothee Brix. Sie gibt aber auch zu, dass das Schreiben Schwerstarbeit ist, begleitet von Höhen und Tiefen. „Schreiben ist ein einsamer Job“, sagt sie. Auch deshalb ist sie so gern in Berlin, hier hat sie genug Abwechslung. Besonders in Moabit, wo sie lebt, lässt sie sich von den Leuten inspirieren, die „echter sind als anderswo“. Immer fließt auch Biografisches ein. Dies seien aber immer nur Elemente, sagt Dorothee Brix. Ein wichtiger Zusatz, schließlich ist ihr Werk „Zuhause“ ein beklemmendes Familienstück, in dem in kargen Dialogen die Ausmaße jahrelang versäumter Kommunikation deutlich werden. Auch wenn das Geschehen dramatisch zugespitzt ist, viele der entstehenden Konflikte und Gefühle sind typisch, fast alltäglich. Nein, von ihrer Familie hat sie sich nicht inspirieren lassen, sagt Dorothee Brix lachend, aber auf die Reaktion ihrer Eltern sei sie schon sehr gespannt.

In wenigen Wochen wird ihr Sohn geboren, ein Wunschkind. Vom Schreiben abhalten wird er sie nicht, da ist sie sich sicher. Und auf die Geburt freut sie sich, sie kennt das Gefühl ja schon vom Schreiben: „Ich mache mir viele Gedanken, trage ein Thema lange in mir, und so wächst und wächst die Geschichte. Und dann ist sie plötzlich da.“

Dorothee Brix: „Zuhause“, szenische Lesung, 11. Mai, 19.30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele .

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