Berlin : Draufhalten, im richtigen Moment

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Der Saal der Landesvertretung von RheinlandPfalz schien zu bersten, kein Glas konnte zu Boden fallen – hatte sich Berlins komplette Bild-und-Wort-Journaille für diesen Abend verabredet? Muss wohl so gewesen sein. Jedenfalls glich die Eröffnung der 19. „Rückblende“-Ausstellung der besten Fotos und Karikaturen des motivreichen Wahljahres 2002 einem fröhlichen Familientreff, bei dem es viel zu Sehen und noch mehr zu Tratschen gab – wie das so ist, wenn auf engstem Raum 600 Menschen der journalistischen Profi-Liga Wein und Bier trinken. „Leute aus dem normalen Leben“ nannte sie der gastgebende Bevollmächtigte seines Landes beim Bund, Staatssekretär Karl-Heinz Klär , stolz darüber, dass Rheinland-Pfalz das einzige Bundesland sei, das einen der Preise von 5000 Euro auslobt. 513 Fotos waren eingesandt worden, 95 Fotos und 50 Karikaturen sind in der Schau In den Ministergärten (und im vorzüglichen Katalog) versammelt, um bis zum 2. März täglich von elf bis 19 Uhr besichtigt, bestaunt oder bekrittelt zu werden. Politiker waren zwar leibhaftig ab-, aber umso mehr in der gerahmten Bilderwelt anwesend. Die erzählende Fotografie ist unverkennbar auf dem Vormarsch, Essenz des Augenblicks, so originell wie möglich. Die Szene auf dem Siegerfoto von Michael Trippel von der Bildagentur „Ostkreuz“ mit dem Kanzler bei den Kleingärtnern von „Abendruh“ fand nicht nur der Fotograf voller Ironie und sehr komisch, auch die Jury war sich einig: friedliche Idylle als Inszenierung, Stimmenfang als Show. Tissy Bruns, die Vorsitzende der Bundespressekonferenz, hofft, dass die Inszenierung nicht alles andere ersetzen möge. Und wie gewinnt man Preise? „Im richtigen Moment zuschlagen und ohne Nachzudenken draufhalten . . .“ Lo.

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