Berlin : Draußen Regen, drinnen Pixel

In Berlin wird das Fernsehen fürs Auto getestet. Jetzt gab es eine Probefahrt rund um den Alex

Kurt Sagatz

Ortstermin Alexanderplatz: Vor dem Hotel Park Inn steht ein großer VW-Van mit britischem Kennzeichen. Hinter beschlagenen Scheiben flackert blaues Licht. Die Vorschau für den ZDF-Film „Die Kirschenkönigin“ am Abend läuft auf zwei kleinen Flachbildschirmen in den Kopfstützen der Vordersitze. Denn der VW-Sharan wurde mit allerlei Aufwand zum fahrbaren Fernsehwohnzimmer umgerüstet – mit 27 Programmen und der Wunsch-DVD zur Auswahl.

Seit rund zwei Jahren wird in Berlin das Fernsehprogramm digital über die Antenne ausgestrahlt. In der Kürzelsprache der Techniker heißt das DVB-T, was für Digital Video Broadcasting–Terrestrial steht. Eingängiger ist der Begriff „Überallfernsehen“, mit dem die Betreiber werben. Überall soll dabei nicht nur bedeuten, dass DVB-T überall in Berlin und dem umliegenden Speckgürtel in Brandenburg sowie an vielen anderen Orten in Deutschland funktioniert, sondern auch, dass man das „Überallfernsehen“ eben auch ins Auto stecken kann.

An dieser Stelle kommt das Unternehmen Visteon ins Bild, eine der ganz großen Firmen bei der Erstausrüstung neuer Fahrzeuge mit Autoradios. Seit Mai hat Visteon auch verschiedene Produkte im Angebot, um das Auto DVB-T tauglich zu machen. Und die stellt Visteon derzeit in Berlin der Presse vor. Wie viele Geräte bislang verkauft wurden, kann Firmensprecherin Britta Lange nicht sagen, das ist ein Betriebsgeheimnis. Dafür kennt sie die Preise für die Umrüstung genau. Zusammen mit der Empfangseinheit, den Doppelmonitoren in den Kopfstützen, den Spezialantennen für die hinteren Scheiben und den Infrarot-Kopfhörern kommt man auf rund 1500 Euro, der Einbau kostet extra. Dafür hat man künftig ruhige Kinder auf den Rücksitzen. Und das bis Tempo 160, wie Britta Lange verspricht. Natürlich erst, wenn die bundesdeutschen Autobahnen von Nord nach Süd und Ost nach West mit dem neuen Fernsehen ausgerüstet sind.

Derzeit muss der Besitzer eines Autos der DVB-T-Klasse aber noch mit anderen Widrigkeiten leben: Selbst rund um den Alexanderplatz lässt der Empfang im fahrenden Auto oftmals zu wünschen übrig. Hinter dem Roten Rathaus und auch im Funkschatten des Französischen Doms setzt der Ton von Viva Plus schon mal aus. Selbst Unter den Linden friert das Bild plötzlich ein, obwohl der Fernsehturm in Sichtweite wäre. Doch da ist leider der Sprühregen im Weg, der den Blick auf die Antennenspitze des Turms verwehrt. Allerdings leiden nicht alle Sender gleichermaßen unter dem schlechten Wetter. Das Schrebergarten- Magazin des RBB ist genauso gut zu empfangen wie das Erste, sogar im Tunnel unterm Alexanderplatz. Offenbar sitzt man auch digital bei den Öffentlich- Rechtlichen in der ersten Reihe. Ob das jedoch die Programme sind, die von den Kindern favorisiert werden, ist eine andere Sache.

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