Berlin : Drehen im Reichstag: Mission impossible

Der Bundestagspräsident will keine Filmerei in der gläsernen Kuppel. Auch Tom Cruise blitzte ab

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Wer wollte nicht alles schon im Reichstag drehen! 2002 wanderte Regisseur Steven Spielberg begeistert durch die Glaskuppel und fragte einen Sicherheitsmann, ob er denn hier wohl einen Historienfilm drehen dürfe. Guildo Horn wünschte sich für seinen Streifen „Waschen, Schneiden, Legen“ eine romantische Szene unter der Kuppel. Doch Drehen im Reichstagsgebäude ist nicht möglich. Das musste jetzt auch das Produktionsbüro von HollywoodStar Tom Cruise erfahren musste. Er wollte für „Mission Impossible III“ filmen. Vom Büro des Parlamentspräsidenten Wolfgang Thierse kam aber eine Ablehnung. Kameras dürfen nur hinein, wenn es einen „unmittelbarem parlamentarischen Bezug, zur aktuellen politischen Berichterstattung oder zur politischen Bildung“ gibt. „Wir geben die Hoffnung nicht auf“, sagt Felix Neunzerling, Sprecher von Studio Babelsberg, das am neuen Cruise-Film beteiligt ist. Er setzt auf den Ältestenrat, der noch endgültig entscheiden muss. Bis dahin will das Studio weiterhin mit den Verantwortlichen im Reichstagsgebäude sprechen. Jede Woche gehen dort neue Anfrage für Werbespots, Spielfilme und Fiktionen ein. Nur sehr selten erteilt der Ältestenrat eine Zusage. Der Kinderkanal etwa, der in seiner Serie „Politbongo“ erklärte, wie ein Gesetz zustande kommt, durfte im ganzen Haus drehen. Sogar mit Wolfgang Thierse als Ehrengast. Auch die Szenen für „Die schnelle Gerdi“, die 2003 im Dachrestaurant des Gebäudes mit Senta Berger entstanden, hatten nach Ansicht des Hohen Hauses einen „parlamentarischen Bezug“ und wurden deswegen genehmigt. Die Herren allerdings, die sich zur Love Parade am 7. Juli 1999 für das Magazin „Playgirl“ nackt in der Kuppel fotografieren ließen, besaßen keine Genehmigung. „Die haben sich hier eingeschlichen. Seitdem wird besser aufgepasst“, weiß man im Pressezentrum. Solche Aktionen, so schätzt Christiane Raab von der Filmförderung Medienboard Berlin-Brandenburg, haben dazu geführt, dass im Reichstag gar nicht mehr gedreht werden kann. Das findet sie schade. „Wenn es für Berlin einen touristischen oder wirtschaftlichen Nutzen hat, sollte man eine Ausnahme machen.“ Dieses Jahr will sie in einer Seminarreihe mit Filmemachern und Verantwortlichen aus Reichstag und anderen Behörden nach Möglichkeiten suchen, doch zu drehen.

Im Jahr 1952 hatte das Produktionsteam von „Die Spur führt nach Berlin“ im Reichstagsgebäude noch ganz andere Sorgen: Bevor der Thriller mit Schauspieler Günter Pfitzmann gedreht werden konnte, mussten erst die Trümmer aus dem kriegszerstörten Haus weggeräumt werden. cof

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