Berlin : Drehkreuz für Osteuropa

Wissenschaftler: Berlins Großflughafen BBI hat gute Entwicklungschancen

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Jahrelang hat sich der Bau des neuen Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) verzögert, zu spät kommt er trotzdem nicht. Davon ist Herbert Baum, Professor für Verkehrswissenschaften an der Uni Köln, überzeugt. „Der Ausbau erfolgt nicht zu spät. Der BBI hat die spezifische Chance als Drehkreuz Richtung Osteuropa.“ Auch die jüngsten Vorwürfe des Billigfliegers Easyjet würden nichts daran ändern. Im Prinzip halte Easyjet es wohl nicht für möglich, dass traditionelle Fluglinien und Billigflieger unter einem Dach untergebracht werden können. Baum sagte: „Wir glauben schon, dass das funktioniert.“ Die Angebote des BBI müssten für die Billigflieger ausreichen. Der Verkehrswissenschaftler hatte vor einem Jahr vor allem untersucht, wie die Beschäftigungseffekte des BBI sein würden. Baum geht von gut 40 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen aus. Die allermeisten davon sollen in Unternehmen der Region entstehen, deren Wettbewerbsfähigkeit durch den neuen Flughafen und die besseren Verbindungen steigt.

Allerdings gebe es in Deutschland starke Konkurrenz für Berlin. „Der Ausbau von Frankfurt wird den dortigen Standort und die Lufthansa stärken“, schätzt Baum. Auch München sei ein starker Wettbewerber. Wegen Engpässen in Frankfurt habe die Lufthansa den bayerischen Flughafen zum Drehkreuz gemacht – „und das wird bleiben“. Gewisse Sorgen macht dem Verkehrswissenschaftler das Nachtflugverbot für den BBI. „Die Auswirkungen sind noch nicht ausreichend geklärt“, sagt Baum. Der Berliner Flughafen könnte deshalb unter Umständen sein Potenzial nicht voll ausschöpfen. Dabei ist in Deutschland mit weiter steigenden Passagierzahlen zu rechnen. „Der Luftverkehr bleibt ein Wachstumsmarkt“, sagt Baum – mit einem Plus bei Passagieren und Fracht von fünf Prozent pro Jahr. Insbesondere der Markt der Billigflieger werde sich weiterentwickeln.

Ähnlich optimistisch ist man in der Branche selber. Carola Wunderlich, Pressesprecherin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) sagt: „Das Verkehrsaufkommen an den Flughäfen zeigt auch in diesem Jahr erfreuliche Zuwachsraten und die weiteren Aussichten für die nächsten Jahre sind gut.“ Dies sei vor allem auf das ausgeweitete Angebot der Billigfluglinien zurückzuführen, aber auch die traditionellen Fluglinien legten zu. Schwierigkeiten bereite, dass von der Politik immer wieder neue Themen diskutiert werden, die Unternehmen weiter zu belasten. Sei es durch eine Ticketabgabe zur Entwicklungshilfe oder eine Abwälzung der Kosten, die durch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen zur Terrorabwehr entstehen. „Dadurch entsteht Unsicherheit, die langfristige Planungen schwierig macht und das Wachstum gefährden kann.“

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