Berlin : Drei Diven auf Kaffeefahrt

Tchibo holt sie her: Whitney Houston, Dionne Warwick und Natalie Cole geben im Sommer ein Konzert am Brandenburger Tor

Bernd Matthies

Das vorläufige Ende der Love Parade bedeutet offenbar nicht, dass Berlin auf Veranstaltungs-Entzug gesetzt wird. Der Appetit der Veranstalter ist noch längst nicht gestillt, und so bietet die Stadt in den sonst so ruhigen Sommerferien ein Unikum: Whitney Houston, Dionne Warwick und Natalie Cole kommen am 2. Juli zu einem dreistündigen Soulkonzert – „exklusiv bei Tchibo“. Doch während Kaffee in den letzten Jahren immer preisgünstiger geworden ist, müssen Anhänger der drei Diven ziemlich tief in die Tasche greifen, um zum Brandenburger Tor vorgelassen zu werden: Die Karten kosten 39, 59 und 79 Euro zuzüglich einer „Service-Gebühr“ von 14 Prozent, obwohl die Karten ausschließlich online und in ausgewählten Tchibo-Filialen zu haben sind; das macht auf den besten Plätzen satte 90 Euro.

Vermutlich ist in diese Kalkulation auch eine gewisse Risikoabsicherung eingeschlossen, denn Whitney Houston, die Zugnummer dieser Dreier-Konstellation, war zuletzt wenig berechenbar und ebenso wenig erfolgreich. Ihre Internetseite hat aber gute Nachrichten parat: Whitney habe die Drogentherapie erfolgreich abgeschlossen, das beaufsichtigte 30-tägige Reha-Programm hinter sich gebracht, und sie befinde sich nun in Nachsorge. Auch die bislang wenig belastbare Ehe mit Bobby Brown ist offenbar auf dem Wege der Besserung. Beide haben Arm in Arm den Gerichtssaal verlassen, in dem er sich gegen den Vorwurf verteidigen musste, sie geschlagen zu haben. Nur ein Ausrutscher beim harmlosen Gerangel!

Nun wird also alles gut. Die Veranstalter zeigen auf www.tchibo.de bereits per Skizze, wie man sich den Bühnenaufbau am Brandenburger Tor vorzustellen hat, nämlich großräumig nach Westen, wie bei größeren Demonstrationen. Drei weitere Konzerte in Deutschland folgen, und zwar in womöglich noch größerer Dimension: 7.Juli, Hamburg, AOL-Arena; 9.Juli, München, Olympia-Stadion; 11.Juli, Arena auf Schalke. Alles nur in Deutschland – das groß anlegte Comeback in den USA ist erst für das kommende Jahr vorgesehen. Das alte europäische Deutschland als US-Testmarkt: eine überraschende neue Entwicklung. Hoffen wir, dass kein kalter Kaffee draus wird.

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