Berlin : Drei Gewitter – das war das Zeichen

Pralinés für alle: Wie der Grieche Christian Kaikis und die Türkin Nalan Bagi zueinander fanden

Martín E. Hiller

Eine ungewöhnliche Verbindung, nicht zuletzt ihre Herkunft: Christian Kaikis und Nalan Bagi stammen aus zwei Ländern, die sich miteinander sehr schwer tun. Christian ist Grieche wie sein Vater, Nalan Türkin wie ihre Eltern, und beide sind sie echte Berliner. Erst im letzten Sommer haben sie sich kennen gelernt, als die damalige Medizinstudentin bei Parexel jobbte, dem Pharmaunternehmen, für das Christian als Finanzkaufmann tätig ist. Sie begegnen sich auf dem Flur, unterhalten sich. Scheinbar zufällig taucht Nalan immer öfter in Christians Abteilung auf. Er beobachtet sie durchs Fenster seines Büros. Es hilft alles nichts, die beiden müssen sich verabreden. Dreimal sehen sie sich, dreimal liegt ein Gewitter in der Luft. „Das war ein Zeichen“, sagt Christian. „Ich bin wirklich nicht übermäßig abergläubisch, aber das war ein Zeichen.“ Nalan sieht es genauso. Nur ein Vierteljahr später, auf einer Reise nach Istanbul, macht Christian Nalan einen Heiratsantrag. Es folgt eine griechisch-türkische Hochzeit, die zwei Familien aus unterschiedlichen Kulturen und nicht zuletzt Religionen zusammenführt. Vater Kaikis wird in seiner Hochzeitsrede darauf eingehen, wird seiner Überzeugung Ausdruck verleihen, dass die Kinder sie meistern können. Schließlich weicht auch die anfängliche Skepsis bei Nalans Eltern. Größer als alle Angst vor der Tradition wird der Wunsch, dass ihre Tochter einen guten Mann bekommt.

Dass Christian dieser Mann ist, daran besteht für Nalan kein Zweifel. Auf der großen Hochzeitsfeier sprach Christian über seine Gefühle, aber auch über die besondere Konstellation, in der sie geheiratet hatten. „Nalan und ich denken, dass im Leben weder unterschiedliche Kulturen noch Traditionen, sondern nur Liebe von Bedeutung ist“, sagte Christian Kaikis und erntete damit von allen Seiten großen Beifall.

Doch auch die beiden Eheleute haben den Umständen Rechnung getragen. So hat es keine kirchliche Trauung gegeben. Nach der standesamtlichen Trauung verteilten die Brautleute Pralinés mit Hochzeitsfiguren darauf an die Gäste. Seker heißen die Glücksbringer auf Türkisch, Bonbonari auf Griechisch. Die Tradition ist in beiden Ländern die gleiche.

HOCHZEIT DER WOCHE

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