Berlin : Drei Hotels für den Adenauerplatz

Accor-Gruppe will an der Wilmersdorfer Straße neu bauen. 40 Mieter verlieren ihre Wohnungen

Cay Dobberke

Der nördliche Adenauerplatz zwischen Lewisham- und Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg ist wenig ansehnlich – in schmucklosen 70er-Jahre-Bauten gibt es einen Supermarkt, ein Fitness-Studio, einen Sexshop und Wohnungen. Doch nun sind dort drei Hotels der Accor-Gruppe geplant: In Neubauten sollen Häuser der Marken Etap, Ibis und Suitehotel entstehen, die in die Kategorien Budget bis Economy gehören. Am Mittwochabend wurde das Konzept dem bezirklichen Stadtplanungsausschuss vorgestellt.

Noch gebe es keinen Mietvertrag mit dem Grundstückseigentümer, gab Projektentwickler Alexander Wiedemann zu; Accor habe aber eine Absichtserklärung abgegeben und erwäge sogar den Kauf. Im Idealfall könnten Bauarbeiten im Februar 2009 beginnen, die Eröffnung wäre ein Jahr später möglich. Die Hotels sollen zusammen 443 Zimmer und eine Tiefgarage mit 133 Plätzen bieten. Einen ähnlichen „Hotelpark“ aus drei Accor-Häusern gibt es bereits an der Kreuzberger Stresemannstraße.

Am Modell der geplanten Fassade fällt die abgerundete Ecke an der Straßenkreuzung auf. Der Entwurf stammt vom Architektenbüro „nps tchoban voss“. Sergei Tchoban will einen „ruhigen Block“ schaffen, der sich mit sieben Etagen und zurückgesetztem Staffelgeschoss an der Traufhöhe von knapp 22 Metern orientiere. Nach Schätzungen der Planer würden die Kosten 50 Millionen Euro betragen und 80 Arbeitsplätze entstehen.

Die Bezirkspolitiker reagierten grundsätzlich erfreut. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) sagte, die Hotels könnten eine „Initialzündung“ für die Entwicklung der südlichen Wilmersdorfer Straße bedeuten. Bisher lockt diese im Vergleich zur Fußgängerzone im nördlichen Straßenteil nur wenige Passanten und Kunden an. Anwohnern sind besonders die drei Sexshops am Rande des Adenauerplatzes ein Dorn im Auge. Die neue Architektur fand der Vorsitzende des Stadtplanungsausschusses, Bert Lehmann (Grüne), akzeptabel: „Das kann man sich so vorstelllen.“ Der CDU-Verordnete Bodo Schmitt sprach von einer „deutlichen Verbesserung“ gegenüber der Situation. Mit Einzelheiten will sich der Ausschuss in der nächsten oder übernächsten Sitzung beschäftigen.

Besorgnisse gab es wegen des bestehenden Supermarkts, der für die Nahversorgung vieler Anwohner wichtig sei. Stadtrat Gröhler und Projektentwickler Wiedemann sagten dazu, dass der Lebensmittelmarkt in die nahe Umgebung verlagert werden solle. Beim Abriss der Altbauten müssten auch 40 Wohnungsmieter umziehen; ihnen will Wiedemann Ersatzwohnungen anbieten. Er versprach e in „transparentes Verfahren“ unter Einbeziehung vieler Anrainer. Der Kiez liege ihm am Herzen, schließlich wohne er selbst gegenüber dem möglichen Baugelände.

In den kommenden Wochen kommt es vor allem darauf an, ob der namentlich nicht genannte Grundstückseigentümer das Areal überhaupt verkauft. Es soll sich um eine große Aktiengesellschaft handeln. Dem Vernehmen nach hätte sie die Verhandlungen am liebsten noch vertraulich behandelt, um Unruhe unter Mietern zu vermeiden.

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