Berlin : Drei Jahre Haft für Messerattacke Beim Autoklau hörte die Polizei mit

Geständige Autoschieber kamen mit milden Strafen davon

Kerstin Gehrke

Für eine brutale Messerattacke muss ein 33 Jahre alter Algerier für drei Jahre hinter Gitter. Das Landgericht verurteilte den Mann gestern wegen gefährlicher Körperverletzung. Er hatte am 25. Dezember 1999 in einer Bowlinganlage einen Landsmann lebensgefährlich verletzt. Bei der Auseinandersetzung soll es um Geld gegangen sein. Außerdem hatte der 33-Jährige einem unbeteiligten Jungen mit Reizgas ins Gesicht gesprüht, weil er im Weg stand. Der Verurteilte, dessen Asylantrag rechtskräftig abgelehnt worden war, wird jetzt abgeschoben. Die Polizei saß im Gerichtssaal und nahm ihn dann gleich mit. fk

Nur für Fahrzeuge der Marke Mercedes interessierten sich die drei Angeklagten. Neuere Modelle allerdings rührte die Bande nicht an. Aus Respekt vor den eingebauten Wegfahrsperren. Innerhalb von zwei Jahren sollen die drei türkischen Männer Fahrzeuge im Gesamtwert von mehr als 100 000 Euro gestohlen und über Italien in ihr Heimatland verschoben haben. Einige der Fahrzeuge wurden auch in Deutschland weiterverkauft. Nach Geständnissen kamen sie gestern vor dem Berliner Landgericht glimpflich davon: Wegen mehrfachen Bandendiebstahls ergingen Haftstrafen von zwei Jahren und elf Monaten beziehungsweise drei Jahren und neun Monaten gegen zwei bereits vorbestrafte Angeklagte, eine zweijährige Bewährungsstrafe gegen ihren Komplizen.

Es war ein Hinweis der italienischen Behörden, der die deutschen Ermittler auf die Spur der Autoschieber brachte. Als die Polizei die Telefone der Angeklagten abhörte, waren Beamte bei einem Mercedes-Klau schließlich live dabei. Sie hörten mit, wie einer der handwerklich versierten Männer mit einem Handy am Ohr zuerst die Tür des Wagens aufbrach und dann von einem Komplizen am anderen Ende der Leitung gefragt wurde: „Wie viel Kilometer hat er schon runter?“ Etwa acht Wagen sollen die Angeklagten im Alter zwischen 34 und 39 Jahren gestohlen haben, andere brachen sie auf und bauten einen Airbag aus oder stahlen ein Handy.

Dem Urteil waren Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidigern vorausgegangen. Die drei Autoschieber sprachen dann von Reue und versicherten: „Es passiert nicht wieder.“ Durch ihre Geständnisse kamen die drei Männer mit Strafen davon, die die Richterin wegen ihrer Milde als „gerade noch vertretbar“ bezeichnete. Der Staatsanwalt hatte dem „Deal“ zugestimmt, weil der Justiz damit eine lange Beweisaufnahme und ein bis zu zweijähriger Prozess erspart geblieben sei. Ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Bande kommt demnächst vor Gericht. Bis zur Ladung zum Strafantritt kamen auch die beiden zu Gefängnisstrafen verurteilten Autoschieber nach neunmonatiger Untersuchungshaft frei – gegen Meldeauflagen.

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