Berlin : Drei Jahre und drei Monate Haft für Bankräuberin aus Liebe

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Erst täuschte sie ihrem neuen Freund Reichtum vor, dann zog die 54-Jährige eine Kapuze tief in das Gesicht und beschaffte Geld. Sie erbeutete 55 000 Euro beim ersten Banküberfall. Als sie zwei Jahre später in derselben Filiale dann „Nachschub“ holen wollte, klickten die Handschellen. „Ich war so verliebt, ich hatte Angst, dass er mich verlässt“, schluchzte Petra Q. am Donnerstag vor dem Landgericht.

Sie ist gelernte Altenpflegerin, doch in den letzten Jahren arbeitete Petra Q. nicht. Sie bezog Hartz IV, als sie während einer Therapie den fünf Jahre jüngeren Mann kennenlernte. Vermutlich war es ein Scherz, als er verkündete: „Wenn ich mal heirate, dann nur eine Frau mit Geld.“ Petra Q. aber schluckte nach dieser Eröffnung und schwindelte sich prominent. Sie stamme aus einer Industriellenfamilie, log sie ihm vor. „Ich habe mich als wohlhabend ausgegeben“, sagte die Angeklagte vor dem Richter. Der Geliebte habe sie zwar nie nach Geld gefragt. „Ich fühlte mich dann aber unter Druck.“

Am 17. Februar 2010 stand die Mutter eines Sohnes, die bis dahin nie irgendetwas mit Kriminalität zu tun hatte, in einer Postbankfiliale in Marzahn. Sie beugte sich zu einer Angestellten und zischte: „Überfall! Das ist kein Scherz.“ Die Räuberin hatte mit ausgestrecktem Finger in ihrer Westentasche eine Waffe vorgetäuscht. Für die Angestellte wirkte das täuschend echt. „Ich hatte Angst“, beschrieb die damals Bedrohte. Sie zitterte, als sie auf dem Zeugenstuhl saß.

Petra Q. will sich hinterher schlecht gefühlt haben. Sie sah angeblich erst viel später in die Tüte mit dem erbeuteten Geld. Die 55 000 Euro flossen unbemerkt von ihrem Freund nach und nach in den seit 2010 gemeinsamen Haushalt. Bei ihrem Versuch, die Kasse „aufzufüllen“, hauchte sie: „Es tut mir leid, das ist ein Überfall.“ Eine resolute Angestellte konterte: „Das ist jetzt nicht ihr Ernst! Ich habe nichts in der Kasse.“

Wie angewurzelt blieb Petra Q. stehen. Sie zeigte, dass in ihrer Tasche keine Pistole steckte, sie bat um Verzeihung. Ihre „aufrichtige Reue“ berücksichtigten die Richter nun besonders und verhängten als Urteil drei Jahre und drei Monate Haft. Bis zur Ladung zum Strafantritt bleibt Petra Q. frei. Hand in Hand verließen sie und ihr Lebensgefährte das Gericht.Kerstin Gehrke

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