Berlin : Drei Kardinäle

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Drei Kardinäle auf einmal in Berlin: Das reicht zwar nicht für eine Papstwahl, unterstrich aus der Sicht des obersten Lobbyisten der Katholischen Kirche, Karl Justen, aber das Besondere des St. MichaelJahresempfangs, zu dem das Kommissariat der Deutschen Bischöfe bereits zum dritten Mal nach Berlin eingeladen hatte. Karl Kardinal Lehmann begrüßte also nicht nur Georg Kardinal Sterzinsky und den Großerzbischof von Lemberg, Lubomyr Kardinal Husar, der über den „Beitrag der katholischen Ostkirchen zur Einigung Europas aus der Sicht der Ukraine“ sprach, sondern auch Bundespräsident Johannes Rau, den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Wolfgang Thierse, Angela Merkel, Wolfgang Gerhardt, Otto Schily und Michel Friedman. Der Vortrag des Ehrengastes aus der Ukraine, der 1977 geheim zum Bischof geweiht wurde, aber erst 1996 als solcher öffentlich anerkannt wurde, war viel eindringlicher als sein Titel vermuten ließ. Es ging um die byzantinische und lateinische Kultur, die Europa in Ost und West aufgeteilt hat und das Christentum als gemeinsames Herz, das im Osten gegen die Kommunisten, im Westen gegen den Wohlstand verteidigt werden musste. Bei der Einigung Europas geht es für Husar um mehr als den Austausch von geistigen Werten (Ost) gegen materielle Unterstützung (West). Der Empfang fand in diesem Jahr fünf Wochen nach dem eigentlichen Michaels-Tag statt, weil sich die Wogen nach den Wahlen erst glätten sollten. Karl Justen wandte sich noch mit wohl geflochtenen Dankesgirlanden an die anwesenden Abgeordneten, bevor er erklärte, warum man sich trotzdem an einem besonderen Tag getroffen habe. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz feierte seinen Namenstag, ein Fest, das für Katholiken weit wichtiger ist als der Geburtstag. Bi

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