Berlin : Drei Kleinkinder stürzten aus Fenstern

Eberswalder Mädchen (1) tot, Spandauer Junge (3) in Lebensgefahr, Schicksal von 5-Jährigem ungewiss

Tanja Buntrock

In Berlin und Brandenburg sind gestern drei Kleinkinder aus Fenstern gestürzt. Die eineinhalb Jahre alte Yasmin stürzte aus dem fünften Stock eines Wohnhauses in Eberswalde. Sie erlag am Donnerstagabend ihren schweren Verletzungen. In der Kreuzberger Friedrichstraße stürzte am Abend gegen 21.30 Uhr ein fünfjähriges Kind aus dem 17. Stock. Bis Redaktionsschluss war unklar, ob das Kind überlebt hatte und ob es ein Junge oder ein Mädchen war. Der dreieinhalb Jahre alte Sunny aus Spandau überlebte den Sturz aus dem zweiten Stock der Wohnung seiner Eltern in der Lutherstraße. Er kam mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus. In allen drei Fällen laufen die Ermittlungen der Polizei noch.

Eine Passantin fand Sunny gegen 7.25 Uhr stark blutend auf dem Gehweg vor dem Haus und alarmierte einen Notarzt. Kurz zuvor hatte ein Nachbar den Jungen am offenen Fenster spielen sehen. Während er die Haustreppe hinauflief, um die Eltern in der Wohnung zu alarmieren, stürzte Sunny aber offenbar in die Tiefe. Wie es bei der Polizei hieß, befand sich die Mutter mit einem weiteren Kind in einem anderen Zimmer, als der Junge aus dem Fenster fiel. „Er hat wohl auf der Fensterbank das Gleichgewicht verloren“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Mutter schilderte der Polizei, dass sie erst kürzlich die Fenstergriffe abmontiert hatte – ihr Sohn habe schon öfter am Fenster „herumgespielt“. Sie habe die abmontierten Griffe in den Flur gelegt. In einem unbeobachteten Augenblick habe sich Sunny die Griffe genommen und sie in das Fenster gesteckt. Die Polizei hält dies durchaus für möglich. Es seien neue Fenster in dem Altbau eingebaut worden. „Er musste den Vierkantgriff in das Loch stecken“, schildert ein Beamter. Auch an anderen Fenstern seien die Griffe abmontiert gewesen. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass die Mutter ihre Fürsorgepflicht verletzte.

Erzieherin Karin Pfeiffer, die seit rund 25 Jahren in einem Kindergarten arbeitet, hält diese Geschicklichkeit bei einem dreieinhalbjährigen Kind durchaus für möglich. „Die Kinder können viele Dinge, wenn auch nur zum Teil richtig.“ Auch Kinderarzt Thomas Abel vom Gesundheitsamt Mitte schließt nicht aus, dass ein Dreijähriger dazu fähig sein könnte. „Er muss dann aber schon sehr geschickt sein und vor allem sehr zielgerichtet handeln.“

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