Berlin : Drei Menschen sprangen in Panik aus drittem Stock

C. v. L.

"Ich kam in den Hof, da lagen zwei Menschen auf dem Boden und schrien", berichtete eine Nachbarin unter Schock, eine andere Frau hatte vom Vorderhaus beobachtet, wie Flammen aus den Treppenhaus-Fenstern des Quergebäudes schlugen. Eine Frau habe in Todesangst aus dem dritten Stock springen wollen, sie und andere Nachbarn hätten sie durch Zurufe gerade noch davon abhalten können: Es waren dramatische Szenen, die sich Sonnabend gegen halb elf im Hinterhof des Hauses Forster Straße 54 in Kreuzberg abspielten. Die vorläufige Bilanz des Treppenhaus-Brandes: Elf zum Teil schwer Verletzte, darunter fünf Kinder.

Zwei Erwachsene und ein Kind waren vorm Eintreffen der Feuerwehr aus dem dritten Stock gesprungen, eine vierte Frau wartete ab, bis die Feuerwehr ein Sprungpolster aufgespannt hatte. Ein schwer Verletzter wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht.

Durch Flammen und starken Qualm im Treppenhaus waren Mieter des sechsstöckigen Quergebäudes offenbar in Panik geraten. Viele sahen keine Möglichkeiten, sich aus den Wohnungen zu retten, eilten an die Fenster und schrien um Hilfe. Die Nachbarn riefen zwar aus den Fenstern des Vorderhauses zu, sie sollten Nerven behalten und die Feuerwehr abwarten, zumal die Wache Kreuzberg nur wenige hundert Meter entfernt sei, doch drei Menschen sprangen auf das Steinpflaster des Hofes. "Ich werde diesen Anblick in meinem Leben nie mehr vergessen", sagte eine Nachbarin. Die Feuerwehr hatte den Brand gegen halb zwölf unter Kontrolle, knapp eine Stunde später war das Feuer gelöscht. Betroffene Familienangehörige kamen in Notunterkünfte.

Über die Brandursache gab es zunächst keine Angaben, die Spurensicherung begann am Mittag mit ihren Ermittlungen, und ein Mitarbeiter der Bauaufsicht Neukölln (Wochenend-Notdienst für Kreuzberg) prüfte, wieweit das Haus gesperrt bleiben muss. Der Hof war stundenlang von der Polizei gesichert, nur Bewohner aus dem unversehrten Teil des Quergebäudes durften passieren. Ein Feuerwehrsprecher sagte, wegen des Brandes hätten die Mieter nicht in Panik geraten müssen. Bewohner berichteten, das Feuer sei vermutlich im Keller entstanden, Kinder aus der Nachbarschaft tippten spontan auf Brandstiftung.

Das Haus Forster Straße 54 ist ein gepflegt wirkender Altbau mit hellverputzter, zum Teil verklinkerter Fassade und einem Dachausbau. Der Hof entspricht nicht dem typischen Aussehen, ist mit Büschen und kleinen Bäumen bepflanzt und öffnet sich nach hinten in Richtung Liegnitzer Straße. Das Quergebäude hat eine hell-renovierte Fassade, die seit gestern sechs leere und verrußte Fensterhöhlen aufweist: Erinnerungen an einen schrecklichen Vormittag.

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