Berlin : Drei neue Moscheen für Kreuzberg

Projekte beunruhigen die Anwohner. Neubau am Görlitzer Bahnhof soll noch 2003 beginnen

Christoph Villinger

Gebetsketten und Kopftücher gehören längst zum Straßenbild in Kreuzberg. Doch wenn Muslime ihre Gebetsräume aus den Hinterhöfen holen wollen, um ihre Moscheen sichtbar ins Stadtbild zu rücken, werden gerade in diesen Tagen viele Fragen und Vorbehalte laut. Zur Bürgerversammlung im Kulturhaus am Görlitzer Park waren am Donnerstagabend über hundert Besucher gekommen, um sich über geplante Moscheebauten im Bezirk zu informieren – und die Veranstalter legten Wert darauf, die Diskussion nicht mit den Nachrichten über die Gefahr islamistischen Terrors und dem Krieg im Irak in Verbindung zu bringen. Als aus dem Publikum eine Gedenkminute für die Opfer des Irak-Krieges gefordert wurde, lehnte dies Moderator Ümit Bayan vom Stadtteilausschuss Kreuzberg ab: „Hier geht es nicht um Weltpolitik, sondern um Bauprojekte in Kreuzberg.“

Es ging vor allem um den geplanten Bau einer Moschee auf dem ehemaligen „Bolle“-Grundstück direkt an der U-Bahnstation Görlitzer Bahnhof. Insgesamt sieben Stockwerke hoch, von vier kleinen Minaretten geschmückt, soll der etwa zehn Millionen Euro teure Bau des „Islamischen Vereins für wohltätige Projekte“ werden. Architekt Günter Barnstedt beschreibt das Projekt „als ein multifunktionales Zentrum, in dem sich auch eine Moschee befindet“. Im Erdgeschoss seien ein Café, eine Boutique und ein Supermarkt geplant. Bekannt wurden zwei weitere Moscheen-Projekte im Bezirk. In der Nähe des Kottbusser Tors an der Skalitzer Straße 134 ist ebenfalls ein Neubau geplant. Bisher benutzen die Gläubigen der Mevlana Moschee eine Etage im Neuen Kreuzberger Zentrum. Auch in das zurzeit noch von einem Kaisers-Supermarkt genutzte Gebäude an der Falckensteinstraße Ecke Wrangelstraße möchte die Fatih Moschee aus der Pfuelstraße umziehen. Für beide Projekte seien die Bauvoranfragen positiv entschieden, sagte Baustadtrat Franz Schulz (Grüne).

Nachdem Birol Ucan als Bauherr seinen „Islamischen Verein“ vorgestellt hatte, begann eine lebhafte Diskussion. Besorgte Anwohner fragten, „warum man nicht eine große Moschee für alle Muslime der Stadt baut?“ Gefragt wurde auch, ob Frauen in die Moschee dürfen. Auf die immer wieder formulierten Ängste vor den drei Moscheebauten antwortete Rochus Wiedemer, der seine Diplomarbeit über Moscheen in Berlin geschrieben hat, dass keine neuen Moscheen in Planung seien. „Sie ziehen nur aus den Hinterhöfen und werden damit sichtbar.“ Auch der Bezirksverordnete Muza Özdemir (PDS) begrüßte, dass „die Migranten nach 40 Jahren endlich Ansprüche stellen“. Ihm sei eine Moschee als soziales Zentrum lieber als ein Gebetsraum.

Nicht nur der CDU-Bezirksverordnete Edgar Glatzel fragte nach der Herkunft der Spenden für den Moscheebau, auch einige Zuhörer arabischer Herkunft blieben gegenüber dem „Islamischen Verein“ misstrauisch. Aber Baustadtrat Schulz betonte, dass der Verein keine „fundamentalistische Gruppierung“ sei und noch nie in den Berichten des Verfassungsschutzes erwähnt wurde. Schulz betonte, dass das Bezirksamt sich auch bei innerchristlichen Konflikten nicht einmische. „Und wir werden auch in Zukunft bei Bauherren keine Regelanfrage beim Verfassungsschutz stellen.“

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