Berlin : Drei Polizisten außer Dienst prügelten

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Die drei Männer vom Mobilen Einsatzkommando hatten an ihrem privaten Abend tief ins Glas geschaut. „Ich konnte mich nicht mehr klar artikulieren“, erinnerte sich einer der Polizisten gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten. Zum Schlagen aber reichte es. Grundlos sollen die 27 bis 33-jährigen Beamten nach der Zechtour zwei Jugendliche verprügelt haben. Hinterher behaupteten die Polizisten, die 17 und 18 Jahre alten Opfer hätten Geld von ihnen „abziehen“ wollen.    

Der Fall liegt schon länger zurück: Die Angeklagten kamen am 4. Mai 2002 gegen vier Uhr morgens aus der Kneipenstraße „Sperlingsgasse“ in Wilmersdorf. „Hinter uns liefen zwei Männer, die sich verdächtig verhielten“, sagte einer der Beamten im Prozess wegen Körperverletzung und falscher Verdächtigung. Der zweite Angeklagte präzisierte die Gefahr, die sie in ihrem betrunkenen Zustand gespürt haben wollen. „Die beiden Männer hielten immer den gleichen Abstand zu uns, sprachen über Geld.“ Er fragte einen der Jugendlichen: „Wollt ihr uns abziehen?“ Kurz darauf sei er angegriffen worden, behauptete der 28-jährige Polizeiobermeister.

Die Opfer hatten keine Chance. Eduardo R. und Christian D. sind einen Kopf kleiner als die breitschultrigen Angeklagten. Die Angst von damals war ihnen auch im Gerichtssaal anzumerken. Lehrling R. versicherte: „Wir haben nichts gemacht.“ Einer der „drei Herren“ habe ihn angesprochen. „Er wollte mich dann durchsuchen, Christian schubste ihn weg, ich bekam ich eine Faust aufs Auge.“ Über Geld hätten sie tatsächlich gesprochen. „Christian wollte nicht glauben, dass er etwa 60 Euro in der Disco ausgegeben hatte.“ Am Ende lag Christian bewusstlos auf der Straße.

In ihrer Anzeige gegen die Jugendlichen gaben die Polizisten zu Protokoll: „Unter starkem Drängen forderten sie Geld.“ Das sei falsch gewesen, „es gab jedoch  eine Art Anfangsverdacht, dass wir Opfer werden könnten“, sagten die Polizisten, die zwischen 1,5 und 2,6 Promille Alkohol im Blut hatten. Der Schubser, die Verdächtigung – am Ende stellte das Gericht das Verfahren gegen Auflagen ein. Die Beamten müssen jeweils 3000 Euro zahlen. Das Geld soll zu gleichen Teilen an Eduardo, Christian und den Opferhilfeverein „Weißer Ring“ gehen.K.G.

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