Berlin : Drei Räuber brachten ihren Freund um die Erbschaft

Die drei Angeklagten verzogen sich kleinlaut in den Saal, als ihr schmächtiges Opfer zu einem gehörigen Donnerwetter ansetzte. Der Elektriker ist ein Mann, der sich mit Gittern vor der Tür und Alarmanlage schützt. „Aber dann kommen Kumpels und rauben einen aus“, schimpfte er gestern. Andreas K., Christian B. und David J. hatten 38 000 Euro aus seinem Tresor geholt. Es war die Erbschaft von der verstorbenen Großmutter.

Die Geständnisse der 26, 39 und 25 Jahre alten Angeklagten kamen nun im Minutentakt. „Stimmt, er hat den Mist gebaut“, ließ Andreas K. über seinen Anwalt erklären. „Die Sache ist aus dem Ruder gelaufen“, gab der nächste Räuber zu. Sie hatten einen vierten Mann angeheuert, der kräftig ist und grimmig wirkt. „Wir wollten ihn nur einschüchtern. Leider blieb es nicht dabei.“ Die Beute wurde geteilt. „Ich habe meinen Anteil in die Wohnung gesteckt“, sagte J., der wie seine Komplizen von Arbeitslosengeld II lebte.

Der Elektriker ist 25 Jahre alt und hat im Gegensatz zu den Angeklagten einen festen Job. An einem Abend im letzten April hatte er sich nach Feierabend mit Christian B. in Kreuzberg verabredet. In der Wohnung aber waren weitere Männer. „Ich bekam einen Schlag ab. Dann zogen sie mir einen Stoffbeutel über den Kopf, fesselten mich an Händen und Füßen.“ Gierige Hände durchsuchten seine Taschen. Sie waren auf seine Schlüssel aus und leerten wenig später den Tresor in seiner Neuköllner Wohnung.

Dass B. dort die Erbschaft seiner Großmutter verwahrte, wollen sie nicht gewusst haben. Sie hätten vermutet, dass die größere Barschaft aus illegalen Geschäften stammte. Vielleicht hofften sie auch, dass ihr Opfer aus Angst vor einem weiteren Angriff schweigen würde. Er aber erstattete Anzeige. „Warum habt ihr das gemacht?“, wollte der Elektriker im Gerichtssaal wissen. „Gruppendynamische Zwänge spielten eine Rolle“, warf einer der Verteidiger ein. „Wie bitte?“, konterte der Elektriker gereizt. K. nuschelte dann etwas von „Alkohol“ – „nicht nachgedacht“ – „ein bisschen Neid“.

Die Angeklagten verpflichteten sich, jeweils 10 000 Euro zurückzuzahlen. Als sie das Urteil hörten, atmeten sie auf: jeweils zwei Jahre Haft auf Bewährung. Zudem muss jeder von ihnen 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. K. G.

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