Berlin : Drei, zwei, eins – meins: Fernsehturmspitze zu verkaufen

Ein Fuhrunternehmer kaufte die 1997 abgebaute Antennenröhre. Das Vier-Meter-Ding versteigert er jetzt bei Ebay

Klaus Kurpjuweit

Die DDR war am Ende so gut wie pleite, aber heute lassen sich mit ihr gute Geschäfte machen. Vor kurzem hat der FDJ-Ausweis von Erich Honecker bei einer Versteigerung im Internet stolze 4138 Euro eingebracht. Da kann doch auch die Spitze des Fernsehturms, die 28 Jahre lang von Ost und West gut zu sehen war, ein paar Euro bringen, dachte sich jetzt Sven Haase. Und die Ebay-Versteigerung seines rot-weißen Sammlerstücks hat schon begonnen.

Der 36-jährige Fuhrunternehmer versichert, es handle sich tatsächlich um die Originalspitze, hinter der früher Rundfunk- und Fernsehantennen montiert waren. „Ich bin zufällig an das Stück gekommen“, sagt er. Als der Turm 1997 eine neue Antennenanlage erhielt, lud der mit dem Abtransport beauftragte Unternehmer, ein Bekannter von Haase, die Spitze auf dem Gelände ab, das sie gemeinsam nutzten. Jahrelang lag das Ding herum – bis Haase den ersten Einfall zur Vermarktung hatte: Schlüsselanhänger wollte er aus dem Glasfaser verstärkten Kunststoff machen. Die vier Meter lange Turmspitze, Durchmesser 1,60 Meter, sollte sich in lauter kleine Einzelteile auflösen. Zur Fußball-Weltmeisterschaft wollte Sven Haase die Anhänger an die Fans bringen. Für „ein paar Taler“ kaufte er das Teil seinem Bekannten ab.

Die ersten Stücke waren bereits herausgeschnitten und bearbeitet, doch das Geschäft lief nicht. Kaum jemand wollte ein Stück Fernsehturmspitze in seiner Tasche herumtragen. „Die Leute konnten sich nicht vorstellen, was die kleinen Teile früher waren“, sagt Haase. Als Honis Ausweis für gutes Geld verkauft wurde, war der Unternehmer entschlossen, auch mit seinem Stück Fernsehturm richtig Geld zu verdienen. Er entschloss sich, die Turmspitze als Ganzes zu verhökern. Die Röhre – in Originalfarbe und nur leicht lädiert – ist etwas Einmaliges, sagt er jetzt. „Da kommt niemand mehr ran.“ Er selbst will sie nicht bei sich aufstellen.

Noch ist das Bieterinteresse nicht groß. Bis Redaktionsschluss hatten gestern erst drei mitgeboten: Das Anfangsgebot ist bisher nur um zwei Euro auf 102 Euro gestiegen. Doch Haase ist zuversichtlich: „Die Angebote kommen kurz vor Schluss.“ Bis Dienstag darf mitgemacht werden.

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