Berlin : Dreifache Pirouette

Berlin und die Formel 1: Als Schumi durchs Brandenburger Tor raste

Tor frei, ich komme!
Tor frei, ich komme!

Ein bisschen Show muss sein: Dreimal ließ der Weltmeister seinen Benetton-Renault auf dem Pariser Platz mit aufheulendem Motor um sich selber kreisen, bevor er den breiten Boliden durch eine der Durchfahrten des Brandenburger Tors fädelte, mit moderaten 60 km/h. „Mir fehlen die Worte“, sagte er danach, „ein wahnsinnig aufregender Moment für mich.“ Ein großer Redner ist Michael Schumacher noch nie gewesen.

Das war am 20. Juni 1995, kurz nach 17 Uhr, und es dauerte nur 30 Sekunden. Eine Werbeaktion von Schumachers damaligem Autofabrikanten, die möglich wurde, weil wegen der Verhüllung des Reichstags die Tordurchfahrt in Ost-West-Richtung freigegeben war. Es sollte bislang die einzige Formel-1-Rennaktivität im Nachwende-Berlin bleiben, denn die kurzfristig erwogene Wettfahrt zwischen Schumacher, nun auf Ferrari, und Mika Häkkinen auf Mercedes/McLaren drei Jahre später kam dann doch nicht zustande. Sabine Christiansens Produktionsfirma Medienkondor hatte sie auf der Straße des 17. Juni erwogen, als Beiwerk einer ihrer ARD-Talkshows, die beiden PS-Piloten hatten aber keine Zeit.

Auch Formel-1-Kollege David Coulthard kam mal zu Werbezwecken in Berlin, auf die IFA 1995, jagte seinen Williams aber nicht über den hiesigen Asphalt. Und Lewis Hamilton plauderte Ende September nur mit Schülern über die Vorteile von Motivation und Training, ohne in der Praxis vorzuführen, was man damit schafft.

Der Höhepunkt in der Formel-1-Geschichte der Stadt aber wurde am 2. August 1959 erreicht, als mit dem „Großen Preis von Deutschland“ auf der Avus das einzige Berliner Rennen in dieser Klasse ausgetragen wurde. Mit Tony Brooks, Dan Gurnsey und Phil Hill standen drei Ferrari-Fahrer auf dem Siegertreppchen. Das Rennen wurde überschattet von einem tödlichen Unfall, der sich am Vortag ereignet hatte: Jean Behra kam in seinem Porsche in der steilen und regennassen Nordkurve ins Schleudern und prallte mit dem Kopf gegen einen Flaggenmast. ac

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