Berlin : Dreijähriger Junge von den Eltern zu Tode geprügelt

Jörn Hasselmann

Ein dreijähriger Junge ist von seinen Eltern totgeprügelt worden. Das Kind starb während einer Notoperation, nachdem die Mutter die Feuerwehr alarmiert hatte. Als die Notärztin am Mittwoch gegen 12 Uhr in die Köpenicker Wohnung kam, atmete der kleine Yannik schon nicht mehr. Sein Körper war übersät mit Striemen, er hatte überall Blutergüsse und zahlreiche Kopfverletzungen. Zwar gelang es der Ärztin noch in der Wohnung, das Kind zu reanimieren, es starb jedoch wenig später im Unfallkrankenhaus Marzahn. Die 27-jährige Mutter, die keinen Beruf erlernt hat, und deren 19-jähriger Lebensgefährte wurden nach einer ersten Vernehmung noch am Mittwochabend festgenommen. Gestern wurden sie dem Haftrichter vorgeführt. Der Mann - er ist nicht der Vater des Kindes - erhielt einen Haftbefehl wegen Totschlags, die Mutter wegen Totschlags durch Unterlassens. Ob und wie sich die beiden Festgenommenen in den Verhören zu den Vorwürfen geäußert haben, wurde nicht mitgeteilt. Auch warum der Mann - nach eigenen Angaben ist er Student - das Kind prügelte und misshandelte, wollte die Polizei gestern nicht mitteilen.

Klar ist nur, dass das körperliche Martyrium über Monate anhielt. Dies ergab die Obduktion, sagte ein Polizeisprecher. Im November war Yannik drei Jahre alt geworden. Die beiden anderen Kinder der Frau - sie sind im Alter von fünf und acht Jahren - wurden in die Obhut des Köpenicker Jugendamtes gegeben. Offensichtlich wurden die Geschwister nicht misshandelt, sagte eine Polizeisprecherin. Der leibliche Vater der drei Kinder soll zu seiner Familie keinen Kontakt mehr gehabt haben; er steht nicht im Verdacht, an Misshandlungen beteiligt gewesen zu sein.

Anzeigen oder Hinweise der Nachbarn des im Salvador-Allende-Viertel gelegenen Hauses habe es nicht gegeben, teilte die Polizei mit. Sie will jetzt die Bewohner befragen, ob sie in der Vergangenheit Schreie oder andere verdächtige Geräusche gehört haben. Die Familie soll erst vor einem halben Jahr in den Plattenbau an der Erwin-Bock-Straße gezogen sein.

Erst vor vier Wochen war ein ähnlich grausiger Fall bekannt geworden. Eine 21-jährige Russin hatte ihren zweijährigen Sohn Alisan-Turan in der Wilmersdorfer Wohnung verhungern lassen. Die Leiche wurde in einem Mehrfamilienhaus erst gefunden, als die Nachbarn wegen des Verwesungsgeruchs am 7. Januar die Feuerwehr alarmierten. Die Retter fanden das Kind in einer verwahrlosten Wohnung. Es war vollständig mumifiziert. Auch in diesem Fall hatte die Polizei kritisiert, dass die Nachbarn der Russin zu spät Hilfe geholt hatten. Nachdem die Wohnung aufgebrochen worden war, hatten Nachbarn ausgesagt, dass es schon seit Wochen im Treppenhaus gestunken habe.

Nach Aussagen von Kriminaloberrat Oliver Knecht gibt es durchschnittlich ein bis zwei derartige Fälle pro Jahr. Doch der totgeprügelte Yannick ist neben dem verhungerten Alisan-Turan schon das dritte in der Familie zu Tode gekommene Kind innerhalb von zwei Monaten. Denn auch im Dezember hatte der Leiter der Inspektion eine tödliche Kindesmisshandlung bearbeitet: den Fall eines auf dem Schreibtisch totgeprügelten Kleinkindes. In diesem Fall war die Mutter offensichtlich nicht zurechnungsfähig.

Im Jahr 1999 zählte die Statistik in Berlin acht Kinder, die an Gewalt starben. In dieser Zahl sind jedoch auch die Fälle enthalten, in denen Kinder aus sexuellen Motiven getötet wurden.

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