Berlin : Dreister Kameraklau: Mit dem Auto "Saturn" am Alex geknackt

Jörn Hasselmann

Zehn ähnliche Einbrüche in sechs Monaten - Täter auf Fotozubehör spezialisiertJörn Hasselmann

Nach mehrwöchiger Pause haben am Mittwochmorgen die nächtlichen "Blitzeinbrecher" wieder zugeschlagen. Mit einem gestohlenen Audi Quattro rasten sie um 4.50 Uhr bei "Saturn" am Alexanderplatz durch einen Nebeneingang und rafften Fotoapparate im Wert von mindestens 200 000 Mark zusammen - der größte Coup der Bande bislang. Die Täter zerschlugen sechs Vitrinen und holten gezielt die hochwertigsten Kameras und Objektive der Marken Hasselblad, Rollei, Nikon und Leica heraus. Die teuerste Hasselblad kostete nach Angaben von Saturn-Chef Klaus Werner alleine 11 500 Mark. In Minutenschnelle verschwanden die vier Täter und stiegen am Roten Rathaus in ein anderes Fluchtfahrzeug um. Von ihnen fehlt jede Spur.

Für die Polizei ist der jüngste Blitzeinbruch Fall Nummer 10 in den vergangenen sechs Monaten. Andreas Grabinski von der Kripo hat wenig Hoffnung, dass die Beute wieder auftaucht. Ohne den Saturn-Bruch war die Beute bislang auf etwa 500 000 bis 1 Million Mark geschätzt worden. "Kein Fotoapparat ist jemals wieder aufgetaucht", sagte Inspektionsleiter Grabinski gestern dem Tagesspiegel. Das gelte auch für die in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg verübten Taten. In Deutschland seien die Geräte kaum abzusetzen, da alle registriert seien. Saturn-Geschäftsführer Werner bestätigte, dass alle Seriennummern bekannt seien. Spätestens wenn ein Käufer eine Kamera zur Reparatur oder Inspektion gäbe, würde er auffliegen. Den Schaden an der Tür und den Vitrinen schätzt der Saturn-Chef auf weitere 20 000 Mark. Trotz des Einbruches war das Elektronikkaufhaus gestern zu gewohnter Stunde geöffnet - ohne die schönsten Fotoapparate.

Wie in den vorangegangenen Einbrüchen gingen die Täter am Alexanderplatz mit äußerster Entschlossenheit vor. An der Rückseite des Kaufhauses an der Straße Alexanderplatz brachen sie rückwärtsfahrend mit dem Auto die doppelflügelige Notausgangstür auf. Einer der Täter zerschlug dann mit einem Fäustel die Vitrinen, zwei weitere rafften die Ware zusammen, während der vierte am Steuer wartete. Zurück blieb nur der Vorschlaghammer.

Nach Angaben des Kriminalbeamten haben die Täter den Ort genau ausgekundschaftet, und "die schwächste Stelle bei Saturn" ausgenutzt. Der Marktleiter sagte, dass nach einem ersten Einbruch vor einigen Jahren auf Anweisung der Versicherung unter anderem Panzerglas in die Türen eingesetzt wurde. Das jedoch reiche nicht mehr. "Den Tätern ist das gestohlene Auto völlig egal, die rammen auch Betonkübel beiseite", sagte Grabinski. Im jüngsten Fall war der Audi mit dem Kennzeichen B-EH 975 in der Nacht von Montag zu Dienstag in der Schöneberger Rheingaustraße gestohlen worden.

Die Ermittler vermuten polnische Gruppen hinter den Einbrüchen. In Deutschland hat es bislang keine einzige Festnahme gegeben, sagt Grabinski, nur in Polen. "Polnische Einbrecher von Qualität schweigen", meint der Kripomann mit einigem Bedauern. Alle Taten seien vermutlich von einer größeren Gruppe in wechselnder Besetzung verübt worden.

Die Täter arbeiteten so schnell, dass gegen sie kaum ein Kraut gewachsen sei. Auch in diesem Fall müssen vor dem benachbarten Hotel wartende Taxifahrer den Einbruch beobachtet habe. "Bis die aufwachten, waren die Einbrecher wieder weg", sagte Grabinski. Klaus Werner sagte, am Vortag seien Verdächtige beim Auskundschaften beobachtet worden. Den Fotogeschäften empfiehlt die Kripo, teure Ware abends aus den Vitrinen zu holen und in einem Tresor zu sichern. Grabinski: "Sonst hilft fast nichts."

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