Berlin : Dresscode für den Straßenstrich

Anwohner kritisieren zu freizügige Kleidung

Foto: promo
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Berlin - Wer dieser Tage durch die Kurfürstenstraße in Tiergarten radelt, dem fällt es ins Auge: Einige Prostituierte stehen nur mit Stringtanga und langem T-Shirt bekleidet an der Straße, um auf Kundenfang zu gehen. Für Polizei und Quartiersmanagement ist das „ein bekanntes saisonales Phänomen“: Im Sommer fallen am Straßenstrich mitunter die Hüllen. Grünen-Politiker Benedikt Lux appelliert an die Behörden, den Anwohnern diesen Anblick zukünftig zu ersparen. Auch Sozialstadtrat Stephan von Dassel weiß, „dass die Art des Aufzugs an der Grenze der Erregung öffentlichen Ärgernisses ist“.

Jörg Krohmer vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz kennt das Phänomen bereits aus den Vorjahren: „Die Frauen kommen oft aus armen Verhältnissen in Osteuropa mit einem Touristenvisum für drei Monate hierher, um Geld zu verdienen.“ In ihrer Heimat haben sie in Gegenden gearbeitet, in denen ein freizügiges und direktes Zugehen auf die Männer die Regel ist. „Oder sie waren zuvor in Hamburg im Rotlichtviertel und denken, sie dürfen auch in Berlin mit knapper Kleidung bessere Geschäfte machen.“

Der Polizeipressestelle sind Anzeigen wegen einer Straftat der Erregung öffentlichen Ärgernisses oder einer Ordnungswidrigkeit wegen grob anstößiger und belästigender Handlungen in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Laut dem zuständigen Präventionsbeamten der Polizei in Tiergarten Süd gibt es bereits erfolgversprechende Wege vor dem Erstatten einer Anzeige. Der Bürger könne die Polizei oder das Quartiersmanagement sowie das Frauenhilfsprojekt „Olga“ mit seinen Sprachmittlerinnen informieren. Die Erfahrung zeige, dass die Prostituierten auf Kritik der Anwohner einsichtig reagierten. Auch Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) sagt, man suche jetzt die Gespräche über die „Olga“-Expertinnen.

Sperrzeiten oder gar eine Verlegung des Straßenstrichs in eine Gewerbegegend seien keine Lösung, sagt Quartiersmanager Krohmer. Bei weniger hart umkämpften Plätzen zum Geldverdienen steige erfahrungsgemäß die Kriminalität. „Die Kurfürstenstraße wird weltweit per Internet als günstigster Strich Berlins beworben, die Freier fahren sowieso dorthin.“ Einige Anwohner ärgert mehr als ein knapper Tanga indes die niedrige Schamgrenze einiger Freier, die teils vor aller Augen im Auto auf Brachen und Höfen agieren. kög

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