Berlin : Dribbeln, täuschen, köpfen

Michael Wolf hat die Darsteller aus „FC Venus“ das Spielen gelehrt

André Görke

Beim Kopfball, herrje, da hat Christian Ulmen immer die Augen zugekniffen und nie den Ball gesehen. Aber den „Übersteiger“ – ein beliebter Trick unter Fußballern – „den kann Ulmen sogar, wenn ich ihn tief in der Nacht wecke“. Der all diese Details erzählt, muss es wissen. Michael Wolf war Ulmens Trainer für dessen neuen Film „FC Venus“. Die Berlin-Premiere der Komödie über den Geschlechterkampf auf dem Fußballplatz stand am gestrigen Donnerstagabend im Zoo-Palast auf dem Programm.

Michael Wolf, 34, deutet den Übersteiger an: Schwenkt mit der Hüfte hin und her, zieht das Bein über den Ball hinweg und dribbelt dann blitzschnell in die andere Richtung. „Kann Christian wirklich gut“, sagt Wolf . Die Sache mit dem Kopfball, das war das Schwierigste, sagt Ulmen, „die Angst vor dem Schmerz am Kopf nach dem Aufprall“. Ein bisschen kennt er sich schon aus, das beweist er in seiner Kolumne „Hertha lieben lernen“, die er für den Tagesspiegel schreibt. Im wahren Leben besitze er jedoch nur einen Schaumball mit Hertha-Emblemen drauf. Selbst für die „Reha-Mannschaft einer Herzklinik“ sei er keine allzu große Hilfe.

Im Herbst hatte Wolf das Drehbuch zur Komödie von „FC Venus“ in die Hand bekommen. Ein Fußballfilm, nur leider konnten die Schauspieler gar nicht spielen. Christian Ulmen, 30, wurde von seiner Mutter als Kind in den Tennisverein gesteckt, „weil ich mich sonst gar nicht bewegt hätte“, mit 15 „durfte ich dann aufhören“. Vor zwei Jahren habe er für die Rolle des Herrn Lehmann gejoggt, „dann wieder kein Sport bis zu dem Tag, an dem ich Herrn Wolf traf“. Vier Mal die Woche haben sie trainiert, zehn Wochen lang, und am Ende konnte jeder der Schauspieler den Ball schießen, ein bisschen dribbeln, sich bewegen. Dabei stand das anfangs gar nicht im Vordergrund, sagt Ulmen. Vielmehr habe ihm Wolf das „so tun als ob“ beigebracht. Kernige Sprüche waren wichtig, „Nicht so tänzeln wie ’ne Ballerina!“, auch der entschlossene Fußballerblick. Michael Wolf habe erstaunlicherweise „mehr Empathie gezeigt als mancher Regisseur“, sagt Ulmen.

Nun ist auch Wolf, im Alltag Beamter, kein unerfahrener Trainer. Er wurde mit der Jugendmannschaft von Hertha BSC Deutscher Meister, brachte Bundesligaspieler wie Kevin Prince Boateng oder Malik Fathi heraus und arbeitete beim Hamburger SV. Wolf hat schon früher Jugendliche für „Nike“-Spots trainiert und coacht heute die Herren des Lichterfelder FC, in der höchsten Berliner Spielklasse. Und arbeitet auch fürs Fernsehen: Das ZDF hat unlängst einen Kommissar zu ihm geschickt.

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