Berlin : Dritter Prozess um Vergewaltigung einer Schülerin

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„Da kommt das Monster", rief die Mutter. Sie sprang auf den Angeklagten zu, hob die Hand, riss ihm das Basecap vom Kopf. „Kinderschänder", brüllte sie und war kaum zu beruhigen. Der Mann, den sie auf dem Gerichtsflur attackierte, hat vor sieben Jahren ihre Tochter vergewaltigt und geschwängert. Gegen eine Verurteilung zu drei Jahren Haft hatte er Berufung eingelegt. Der zweite Prozess endete mit zwei Jahren Haft auf Bewährung – der Mindeststrafe – und löste Empörung in der Öffentlichkeit aus. Die Staatsanwaltschaft legte Rechtsmittel ein, erzwang damit den nun dritten Prozess, der am gestrigen Dienstag begann.

Susanne (Name geändert) wohnte in der Nachbarwohnung von Kristijan S. Der korpulente Spandauer machte dem Mädchen oft kleine Geschenke und nannte es „Prinzessin". Aber am 23. August 1998 soll der damals 23Jährige die zehn Jahre jüngere Schülerin laut Anklage in ein leer stehendes Gebäude gelockt, zu Boden gestoßen und vergewaltigt haben. Sie duschte danach zu Hause eine Ewigkeit, zerschnitt ihre Unterwäsche, sprach aber mit niemanden über das Entsetzliche. Erst als die Schwangerschaft offensichtlich wurde, offenbarte sie sich der Mutter. Es kam zu einem Schwangerschaftsabbruch.

Im ersten Prozess leugnete S. die Vergewaltigung und behauptete, Susanne habe den Sex gewollt. Das Mädchen widersprach. Dann kam der nächste Prozess. Als Susanne befragt werden sollte, fand man sie auf dem Flur weinend in den Armen des Vaters. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung verständigten sich auf einen „Deal": Geständnis gegen Bewährungsstrafe. Susanne blieb die Aussage erspart. „Aber das wollte sie gar nicht", sagten die Eltern und protestierten. Das Kammergericht hob das milde Urteil auf. Nun muss über die Strafhöhe neu entschieden werden. Über seinen Anwalt ließ der nun 29-jährige S. erklären, dass er sich nicht äußern werde. Die heute 20-jährige Susanne wird voraussichtlich am 26. August als Zeugin vernommen. K.G.

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