DRK-Kliniken in Berlin : Ex-Vivantes-Manager rückt an Spitze

Die Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes betreibt in Berlin wichtige Kliniken. Nun geht der Geschäftsführer. Außerdem beginnt ein lang erwarteter Prozess.

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Die DRK-Kliniken in Berlin versorgen 200.000 Patienten im Jahr.
Die DRK-Kliniken in Berlin versorgen 200.000 Patienten im Jahr.dpa

Ärzte und Klinikmanager in Berlin schauen in dieser Woche verstärkt auf die Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Ralf Stähler, der Geschäftsführer der bekannten DRK-Kliniken in Westend, Wedding und Köpenick, verlässt seinen Posten zum Monatsende. Wohin er wechselt, teilte die Geschäftsführung nicht mit. Die Leitung des Klinikbetreibers soll von einer Doppelspitze übernommen werden: Christian Friese und Michael Hoffmann, beide bislang als Vize-Geschäftsführer tätig, folgen auf Stähler. Friese war zuvor Vivantes-Personalchef, Deutschlands größter staatlicher Krankenhauskette. Dort wurde Friese nach dem Ärztestreik 2014 vom Aufsichtsrat entlassen.

Bald beginnt Prozess wegen Abrechnungsbetruges

Stählers Amtsantritt 2010 fiel in eine spektakuläre Krise für die DRK-Kliniken. Nur drei Tage zuvor hatten Polizisten bei einer Razzia in den Krankenhäusern kistenweise Unterlagen aus den Jahren vor seiner Zeit sichergestellt, zwei Geschäftsführer und ein Chefarzt saßen für Wochen in Untersuchungshaft. Die Männer sollen „banden- und gewerbsmäßig“ durch falsche Abrechnungen betrogen haben. Stähler selbst soll, so berichteten Mitarbeiter, danach „den Laden durchgefegt“ haben. Image: schonungsloser Aufklärer. Im April nun beginnt der Prozess gegen vier Beschuldigte. Als unwahrscheinlich gilt, das Stählers Schritt damit zusammenhängt.

DRK-Kliniken versorgen 200.000 Patienten im Jahr

Die Ermittlungen waren schwierig, unter Kennern gilt eine Verurteilung als ungewiss. Die DRK-Kliniken betrieben wie in der Branche üblich Medizinische Versorgungszentren (MVZ), also de facto Praxen, um im ambulanten Geschäft mitzuverdienen. In den MVZ sollen aber Assistenzärzte gearbeitet haben, obwohl in Praxen nur Fachärzte tätig sein dürfen. Weil die für Praxenentgelte zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) aber bezahlte, als wären Fachärzten tätig gewesen, sei die KV um Millionen Euro geprellt worden.

Die DRK-Kliniken beschäftigen in Berlin rund 3400 Mitarbeiter und versorgen mehr als 200.000 ambulante und stationäre Fälle im Jahr. Sie zählen zu den wichtigsten Krankenhäusern der Stadt.

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