Berlin : Drogen: Interview: "Bloß nicht einfach weggucken"

Frau Koller[dass es zehn Jahre],war es abzusehen[dass es zehn Jahre]

Elfriede Koller ist Berlins Drogenbeauftragte.

Die neuesten Zahlen zum Drogenkonsum in Berlin zeigen unter anderem, dass die Ost-Berliner den West-Berlinern im illegalen Drogenkonsum nicht mehr nachstehen. Der Osten hat aufgeholt. Tanja Buntrock sprach mit der Drogenbeauftragten des Landes, Elfriede Koller.

Frau Koller, war es abzusehen, dass es zehn Jahre dauern würde, bis die Ost-Berliner genausoviel illegale Drogen konsumieren wie die West-Berliner?

Nein, nach der Wende haben wir geglaubt, dass sich eine wahre Drogenwelle ausbreiten würde. Dem war aber nicht so. Erst jetzt, zehn Jahre später, liegen beide Stadthälften gleich auf.

Wie kommt das? Nach der Wende gab es doch auch in den Ost-Bezirken Drogen zu kaufen?

Ja, sicher. Aber im relativ drogenfreien Osten gab es bis 1990 keinen Markt für Drogen. Die Haltung, dass illegale Drogen für Werte des Kapitalismus standen, war noch in den Köpfen verbreitet. Bestimmte Faktoren spielen für den Drogenkonsum eine Rolle: Der Markt muss da sein, das Umfeld, das Drogen konsumiert und die Erfahrung. Die Faktoren haben jetzt gegriffen und Ost-Berlin liegt gleichauf.

Die Studie belegt, dass Cannabis-Konsum mittlerweile eine große, das Heroin-Spritzen eine kleinere Rolle spielt. Beruhigt oder besorgt Sie das eher?

Wir haben den Cannabis-Konsum noch nie auf die leichte Schulter genommen, obwohl Haschisch-Rauchen diesen Beigeschmack des vermeintlich Harmlosen hat. Man sollte die Sache nicht dramatisieren, aber auch nicht bagatellisieren. Viele Jugendliche kiffen mal, hören aber auch wieder auf. Ein Mittelweg muss her. Angemessen wäre, auch im Umfeld von Gefährdeten nicht wegzugucken, sondern auf die Gefahren hinzuweisen und aufzuklären.

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