Berlin : Drogen: Segeltörn mit vier Tonnen Haschisch

Kerstin Gehrke

Ein polnischer Kapitän ist gestern als Helfer eines internationalen Drogenschmuggels von 4,5 Tonnen Haschisch zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Der 29-jährige Artur Z. hatte im Juni vergangenen Jahres im italienischen Viareggio eine Yacht gechartert, die vor der Küste Marokkos Haschisch für 45 Millionen Mark an Bord nahm. Das Rauschgift sollte über Spanien nach Deutschland transportiert werden. Im Mai 1999 hatte das Bundeskriminalamt einen Tipp bekommen, internationale Observierungen wurden eingeleitet. Dennoch soll den Drogenhändlern Ende 1999 eine Fracht ähnlicher Größenordnung gelungen sein. Beim zweiten Transport konnte die spanische Polizei das Haschisch beschlagnahmen.

"Ich wusste nur, dass die Reise nicht ganz legal sein würde", sagte der Kapitän gestern vor dem Landgericht. Dass hinter der Fahrt ein großes Rauschgiftgeschäft steckte, sei ihm erst auf hoher See bewusst geworden. Auch die Richter gingen davon aus, dass er nicht Täter, sondern "Gehilfe" war. Für den Elektrotechniker begann alles mit einem netten Anruf. Ein alter Bekannter hatte sich gemeldet, einer, den er aus seiner Zeit bei der polnischen Marine kannte. Der andere hatte es dort nur bis zum Steuermann gebracht und konnte deshalb keine Yacht mieten. Er suche einen Kapitän für einen Törn im Mittelmeer, sagte der Anrufer. Artur Z. war sofort einverstanden. Er hatte sich schon als Teenager auf Booten verdingt und nach dem Militärdienst für rund 1000 Mark im Monat Touristen durch das Mittelmeer gesegelt. Der Steuermann bot ihm 5000 Mark für den Törn und erwähnte kurz, dass Artur Z. nicht weiter darüber reden solle. Weil die Fahrt "nicht ganz legal" sei. Die Bekannten und ein dritter angeheuerter Segler fuhren über Berlin nach Italien. Dort legte der Kapitän sein Patent vor und mietete eine Vier-Kabinen-Luxusyacht vom Typ "Sun Odyssee 51".

An Bord habe dann der Steuermann das Kommando übernommen, sagte der Angeklagte. Vor der Küste Marokkos wurden 173 Pakete auf die Yacht geladen. "Als ich die Menge sah, erschrak ich", meinte der Angeklagte. Nachdem sie die für das Boot fast zu schwere Fracht in Spanien abgeliefert hatten, segelten sie zurück an die toskanische Küste. In Pisa endete die Reise: Die drei Männer wurden verhaftet und nach Berlin überstellt. Der 33-jährige Steuermann nahm sich vor zehn Monaten in der U-Haft das Leben, der Dritte im Bunde wurde durch den Kapitän als völlig ahnungslos entlastet.

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