Berlin : Drogenfahnder hinter Büschen

Im Kampf gegen den illegalen Handel in der Hasenheide müssen Polizisten schnell sein. Trotzdem können sie gegen die Dealer wenig ausrichten

Tanja Buntrock

Die Schwarzafrikaner stehen an „ihrer“ gewohnten Stelle im Neuköllner Volkspark Hasenheide. Es sind diesmal fünf junge Männer, die hier mit Drogen dealen. Doch was sie an diesem Montag nicht wissen: Ein Zivilbeamter hat sich ganz in ihrer Nähe „eingegraben“. So nennen es Polizisten, wenn sich einer der Beamten im Gestrüpp versteckt auf die Lauer legt. Aus dem Unterholz beobachtet er an diesem Vormittag, welcher der Schwarzafrikaner eindeutig „Verkaufsgespräche“ führt und danach ein Tütchen mit Marihuana verkauft.

Einsatz der Polizei in der Hasenheide, einem von Berlins Drogenschwerpunkten. 23 Beamte – uniformiert und in Zivil – sind an der Aktion beteiligt. Nach einiger Zeit hat der verdeckte Ermittler im Gebüsch genug Informationen zusammen und beschreibt seinen Kollegen die Händler per Funk.

Polizeihauptkommissar Thomas Bewernick, Leiter der Operativen Ermittlungsgruppe (OEG) gibt das Kommando: „Zugriff!“ Die an verschiedenen Stellen postierten Zivilbeamten laufen in Richtung der Schwarzafrikaner. Die haben es auch schon bemerkt und rennen ihrerseits quer durch den Park davon. Hauptkommissar Bewernick – ein kräftiger, glatzköpfiger Mann mit Jeans und Windjacke – rast im silbernen Renault mit Tempo 60 die schmalen Jogging- und Spazierwege des Parks entlang. Er will den Drogenhändlern den Weg abzuschneiden. In seinem kleinen Ohrknopf hört er über Funk, wo seine Kollegen die Dealer gerade verfolgen.

Von den fünf Männern fassen die Beamten drei. Die anderen beiden entkommen durch die Büsche. Ein junger Schwarzer im stahlblauem Jogginganzug ist vorher vom versteckten Beamten „eindeutig als Händler erkannt worden“. Ein anderer im gestreiften Hemd hat mehrere hundert Euro Bargeld dabei, das beschlagnahmt wird. Der dritte Festgenommene macht Probleme: Die Hände schon in Handschellen, verpasst er einem der Zivilbeamten eine Kopfnuss. Blut fließt dem Polizisten über das Gesicht. „Motherfucker, I kill you all“, schreit der Schwarze den Polizisten an.

In den Autos werden die drei Männer überprüft. Drogen hat niemand von ihnen dabei. Das ist die Taktik der Händler. Ihren Stoff verstecken sie in Erdlöchern und im Unterholz der Hasenheide. Nie mehr als sechs Gramm pro Tütchen. Das macht den Polizisten die Arbeit schwer. Bei bis zu sechs Gramm kann den Männern keine „Händlertätigkeit“ nachgewiesen werden. Ein Verfahren wird in der Regel bei so einer geringen Drogenmenge von der Justiz eingestellt. Es reiche nicht aus, sie dann dem Haftrichter vorzuführen. Bewernick hält es deshalb für möglich, dass auch die drei Festgenommenen morgen wieder in der Hasenheide stehen. Doch zumindest der Mann, der dem Beamten die Kopfnuss verpasst hat, müsse wegen „Widerstandshandlungen“ mit Konsequenzen rechnen.

Es scheint, als seien den Beamten im Kampf gegen den Drogenhandel die Hände gebunden. Das Problem: Zwar dürften sich die meisten Schwarzafrikaner hier gar nicht aufhalten, weil sie als Asylbewerber fast immer in einem Heim in Brandenburg gemeldet sind. Ihnen ist es nicht erlaubt, den Landkreis zu verlassen. Aber: Ein Verstoß gegen die Aufenthaltsbestimmung wird lediglich als Ordnungswidrigkeit geahndet. Und die bleibt bis auf das Bußgeld, das der Asylbewerber so gut wie nie aufbringen kann, folgenlos. „Die Gesetze müssten geändert werden, aber das ist Aufgabe der Politik, nicht der Polizei“, sagen die Beamten.

Bei ihrem Einsatz haben es die Polizisten in erster Linie auf die Drogenhändler abgesehen. Aber auch die Käufer kommen nicht davon. Während die Schwarzafrikaner überprüft werden, kümmern sich die restlichen Beamten auf einem nahe gelegenen Parkplatz um die Kundschaft der Dealer. Den meisten entgleisen die Gesichtszüge, als sie plötzlich von den Männern in Jeans und Turnschuhen angehalten werden. Auf dem Parkplatz werden ihre Personalien überprüft und die Drogen beschlagnahmt. Aber das Wichtigste: Die Polizisten hoffen, von den Käufern genau zu erfahren, wie der Mann aussah, der ihnen den Stoff verkauft hat. Um demjenigen dann einen „gewerbsmäßigen Handel“ nachzuweisen. Doch die Ergebnisse sind dünn: „Schwarze Haare, schwarze Haut und Jeans“ bekommen die Beamten dann oft zu hören. Das trifft so gut wie auf jeden Schwarzafrikaner in der Hasenheide zu. Eine solche Aussage später vor Gericht bringt nichts. Dort zähle dann nur, was der Polizist aussagt: Und das allein reiche oft nicht für eine Verurteilung, erklärt Bewernick.

Die Drogenspürhunde „Lady“ und „Asko“ übernehmen die restliche Arbeit in der Hasenheide. Bei der Vernehmung der Käufer kamen Hinweise, in welchem Erdloch Stoff vergraben ist. Die Hunde erschnüffeln insgesamt drei große Tüten voll gestopft mit Marihuana-Päckchen und eine weitere mit zehn Stangen Haschisch. Über 340 Gramm macht das. Ein Beamter trägt die Tüten ins Auto. Bewernick ist zufrieden und sagt: „Hier haben sich noch eine Menge Schwarzafrikaner versteckt. Denen tränen jetzt wohl die Augen.“

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