Berlin : Drogenkurierin beichtete nach Fernsehsendung

Kerstin Gehrke

Die Bilder im Fernsehen ließen der jungen Frau keine Ruhe mehr. Sie erfuhr von einer 18-jährigen Berlinerin, die in Izmir mit sechs Kilogramm Heroin im Reisegepäck erwischt worden war. Sie hörte, dass Andrea Rohloff nichts gewusst haben will von den Drogen und dass sie mit einer harten Strafe in der Türkei zu rechnen habe.

Da nahm die 28-jährige Roswitha R. Kontakt zu Andreas Eltern auf. Am Telefon beichtete sie, dass sie Ähnliches erlebt habe und stellte sich nach Gesprächen mit dem Vater von Andrea der Polizei. "Ich habe nie gewusst, dass ich Heroin transportierte", beteuerte Roswitha R. gestern vor dem Berliner Landgericht.

Zweimal war die 28-jährige Angeklagte über Amsterdam nach Antalya gereist. Kostenlose Fahrten, die über eine Freundin aus ihrem Wohnhaus liefen und für die sie Geld bekommen sollte. Es hieß, ihr werde in einem Hotel eine Tasche übergeben, die sie dann über Zürich und Genua nach Neapel bringen solle. Den Richtern sagte Roswitha R., sie sei verliebt gewesen in ihre Anwerberin und habe sich deshalb auf die Kurierfahrten im Frühjahr und Sommer 2000 eingelassen. Die ihr übergebenen Reiseaschen in der Machart eines Arztkoffers seien leer, aber merkwürdig schwer gewesen. Sie habe aber nicht an Drogen im doppelten Boden gedacht, sondern an Geld oder Schmuck.

Beim ersten Mal hatte die frühere Zugbegleiterin, die jetzt als S-Bahn-Aufsicht in Frankfurt / Main beschäftigt ist, 3000 Dollar bekommen, beim zweiten Mal sogar 4000 Dollar. Jedesmal schmuggelte sie vier Kilogramm Heroin. Per Handy stand sie während der Fahrten stets in Verbindung mit ihrer 26-jährigen Nachbarin, die wiederum von einem Kontaktmann in Amsterdam ihre Anweisungen erhielt. Es sei offensichtlich, dass dieselbe Organisation wie im Falle von Andrea Rohloff hinter dem internationalen Schmuggel stecke, hieß es im Urteil.

Von ihrer völligen Unwissenheit konnte die Angeklagte das Gericht jedoch nicht überzeugen. Spätestens nach der ersten Reise, bei der ihr die Tasche in Italien von zwei Frauen mit Babykörbchen in geradezu verschwörerischer Weise abgenommen wurde, habe sie gewusst, dass es sich um harte Drogen handelt.

Wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel wurde sie zu vier Jahren Haft verurteilt. Trotzdem kann Roswitha R. froh sein: Während die zu sechs Jahren und drei Monaten verurteilte Andrea Rohloff in einem türkischen Gefängnis sitzt, wird sie ihre Strafe im offenen Vollzug verbüßen dürfen.

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