Berlin : Drohender Konkurs: Krankenhaus Moabit steht vor dem Aus

Amory Burkhard

Dem Krankenhaus Moabit droht der Konkurs. Zahlungsunfähig ist die seit einem Jahr von Schließung bedrohte Tiergartener Klinik schon jetzt. Die am 15. März fälligen Löhne und Gehälter für 1400 Mitarbeiter könnten nicht gezahlt werden, wenn die Krankenkassen nicht ihre Schulden begleichen, sagte Krankenhaus-Geschäftsführerin Helga Lachmund gestern Nachmittag bei einer Personalversammlung. 25,5 Millionen Mark fordert das Krankenhaus von den Kassen, davon gut die Hälfte von der AOK.

Etwa 500 besorgte Klinik-Mitarbeiter drängten sich gestern im Großen Hörsaal der Klinik und in den Gängen davor. "Ich fürchte, es geht jetzt ans Eingemachte", sagt ein Narkose-Arzt. Bisher habe er immer geglaubt, die im Mai 2000 vom Land Berlin verhängte Schließung des Krankenhauses könne auf unbestimmte Zeit abgewendet werden. Moabit hat gegen den Bescheid geklagt; der Rechtsstreit kann sich viele Jahre hinziehen - und vielleicht sogar gewonnen werden. Sein Job schien im vorerst sicher. "Aber jetzt kann der Betrieb nicht weiterlaufen, weil das Geld fehlt."

Der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Paul Gerhard Fabricius, versucht, Mitarbeiter und Patienten zu beruhigen: "Wir werden nicht schließen, wir werden weiter die Patienten versorgen und weiter 24 Stunden Dienst machen." Mitarbeiter, die in finanzielle Not geraten, sollen "beraten" werden. Höchstens zehn Tage sollen sie auf ihr Geld warten müssen.

Geschäftsführerin Helga Lachmund teilte den Mitarbeitern mit, dass die Außenstände bei nur 27,5 Millionen Mark liegen. "Wenn die Kassen zahlen, hätten wir zehn Millionen Mark Plus auf dem Konto." Aber es sind doch mehr als die Schulden der Kassen, die die Klinik gefährden: Die Hausbank habe gedroht, einen Kredit von 13 Millionen Mark zu kündigen, wenn die Geschäftsführung keine Bürgschaft aufbringt. Die Bürgen sollen von den Gesellschaftern der Moabiter Krankenhaus-GmbH kommen. Die GmbH wird zu mehr als 90 Prozent vom Land Berlin und zu einem kleinen Teil vom diakonischen Paul-Gerhardt-Stift getragen. Als Bürge in Frage käme allein die Finanzverwaltung des Landes Berlin. Aber ob sie dies kann oder will, ist völlig offen.

Unterdessen hat Gesundheitssenatorin Gabriele Schöttler den Mitarbeitern des Krankenhauses Moabit ihre Hilfe zugesagt. "Ich will mich bei den Kassen dafür einsetzen, dass die Beschäftigten ihr Geld bekommen." In den nächsten Tagen will sie Vertreter der Kassen und des Krankenhauses an einen Tisch bringen. Ihr Ziel bleibe aber, sagt Schöttler, "den Schließungsbescheid vom Mai 2000 umzusetzen." Auf keinen Fall solle es an der Turmstraße so weitergehen wie bisher - "Kopf in den Sand und sagen, wir werden den Prozess gewinnen." Um die Patienten macht sich Schöttler keine Sorgen: Die könnten von anderen Krankenhäusern versorgt werden.

Die Moabiter Krankenhausleitung hofft auf einen fairen Prozess vor dem Verwaltungsgericht. Die Gesundheitsverwaltung solle endlich ihre Rolle als Rechtsaufsicht der Kassen wahrnehmen und dafür sorgen, dass die für erbrachte Leistungen zahlen, sagt Fabricius. "Ein Krankenhaus unter Umgehung des Rechtsweges zwangsweise in den Ruin zu treiben, wäre in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig." Die beschuldigten Krankenkassen sehen es anders. "Alle fälligen und unstrittigen Forderungen werden überwiesen", sagt eine AOK-Sprecherin. Von den 12 Millionen, die Moabit in Rechnung stellt, seien 5,4 Millionen zurückgewiesen worden und 4,6 Millionen noch in der Rechnungsprüfung. Die Kasse wirft der Klinik vor, die Patienten zu lange stationär behandelt zu haben.

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