Druck von oben : Paul-Löbe-Haus muss saniert werden

Am Paul-Löbe-Haus des Bundestages senkten sich Dach und Fassade - die Planer hatten sich verschätzt. Jetzt wird der Neubau mit Millionenaufwand saniert.

Ralf Schönball

BerlinVor dem Eingang für Abgeordnete am Paul-Löbe-Haus steht ein „Hublift“ mit der Aufschrift: „Mit uns ganz nach oben“. Der ausfahrbare Schwenkarm auf dem Anhänger befördert keine Mitglieder des Bundestages in ihre Büros, sondern Bauarbeiter zur 23 Meter hohen Betondecke des Bundesbaus. Dort sind die Stahlträger fixiert, an denen die großen Glaskacheln der durchsichtigen Fassade befestigt sind. Als die ersten Scheiben in den unteren Reihen vor einigen Wochen barsten, wurde der Haupteingang des Hauses vis-à-vis dem Kanzleramt schnell geschlossen. Denn Gutachter stellten fest: Dach und Fassade hatten sich um 30 Millimeter gesenkt.

Nun wird der siebengeschossige Neubau mit Millionenaufwand saniert. Deshalb müssen sich die Abgeordneten mit Berlin-Besuchern und anderen Gästen den Nebeneingang an der Südseite des Bürohauses teilen. Dort hat sich an diesem sonnigen Apriltag eine Traube von Teenagern gebildet. „Zicke“ steht auf dem roten Top eines Mädchens, „Rapper“ auf dem blauen T-Shirt eines Jungen. Ein Abgeordneter mit dunklem Sommersacko schlängelt sich an ihnen vorbei ins Foyer hinein. Auch der Gast nutzt das Durcheinander, um zwischen Sicherheitsschleuse und Pförtnerhäuschen unabgetastet ins Reich der Volksvertreter einzudringen.

Am Vordereingang würde kein Besucher so leicht an der Schleuse vorbeikommen, sagt Anika Rümpler, Gesundheitsexpertin im Büro der SPD-Abgeordneten Margrit Spielmann. Von den Bauarbeiten wurde sie – so wie viele andere Nutzer der 1000 Büros im Hause – vor rund drei Wochen überrascht: „Wir standen eines  Morgens vor verschlossenen Türen“, sagt Rümpler. Eine Hausmitteilung sei erst einen Tag später eingetroffen. Dass sich die Fassade des Gebäudes absenkt, nimmt die Wissenschaftlerin mit Humor: „Unsere Büros liegen ja ganz oben, da kann die Fassade noch ein ganzes Stück weiter absacken“, sagt sie.

Bei der Bundesbaugesellschaft heißt es, an diesem Montag soll der Haupteingang wieder öffnen. Der Chauffeur des schwarzen Mercedes, der dort steht, mag das nicht glauben: „Fassade, Dach, Seiteneingang – hier wird doch ständig irgendwas nachgebessert“, sagt der Fahrer. Immerhin wurde inzwischen das Halteverbot am Haupteingang wieder aufgehoben. Ein Dutzend anderer Wagen des Bundestagsfahrdienstes stehen ebenfalls vor den zwei Meter hohen Gitterzäunen. Im versperrten Empfangsbereich sind Gerüste aufgebaut, die bis zum ersten Geschoss reichen.

Auf dem Schaden in Höhe von 1,5 Millionen Euro wird der Bund sitzen bleiben, „weil die Glasbrüche an den Ost-West-Fassaden des Paul-Löbe-Hauses erst nach Ablauf der Gewährleistungsfristen aufgetreten sind“, heißt es in einem Bericht des Bauministeriums. Dabei wurde das Gebäude vor nicht einmal acht Jahren an den Bund übergeben.

„Menschen machen Fehler“, sagt Bernhard Stokar von Neuforn, Koordinator bei der Bundesbaugesellschaft. Statistisch seien bei jedem neuen Einfamilienhaus sieben Mängel pro 100 Quadratmeter die Regel. Gemessen an den 150 000 Quadratmetern sowie an Baukosten von 375 Millionen Euro seien die Schäden am Paul-Löbe-Haus „ärgerlich, aber nicht vermeidbar“. Die Bundesbaugesellschaft sei zufrieden mit dem Fortgang der Arbeiten: Die geborstenen Scheiben sind ersetzt. Die Stahlträger, die am Betondach hängen und durch die Absenkung des Daches am Boden „aufsaßen“, haben wieder Luft: Nun kann das Material im Winter schrumpfen und sich im Sommer dehnen. Bald sind auch die Wasserschleifen wieder in Betrieb, die die Stahlträger heizen, damit die Luft an der Glasfassade innen keine kalten Fallwinde erzeugt und die Parlamentarier verkühlt.

Im Inneren des Paul-Löbe-Hauses ist während der Osterferien nicht viel los. In dem 200 Meter langen Foyer stehen zwei Hublifte. Mit ihren schmalen weit ausgefahrenen Stützen sehen sie aus wie große Insekten. „Die stehen öfter hier drin“, sagt Anika Rümpler. Um das viele Glas zu reinigen, glaubt sie. Oder etwa um die „Rauch-Wärme-Abzugsklappen“ umzubauen? Die kann man nur vom Glasdach aus warten – aber das darf man ja nicht betreten. Ein teurer Planungsfehler: Fünf Millionen Euro kostet der Umbau.

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