Berlin : Drückeberger-Debatte: Am schönsten faulenzt es sich am Arbeitsplatz

Sigrid Kneist

"Null Bock auf Arbeit: Bonns faulster Beamter. Seit über drei Jahren rührt Sven S. keinen Finger. Pro Monat kassiert er trotz Suspendierung rund 3000 Mark." Die Seele des kleinen Mannes kocht. "Trottel-Paragraf geplant: Strafe für faule Beamte?" oder "Jagd auf Schein-Kranke: Chefs heuern Detektive an". Geschichten dieser Art lieben vor allem die Boulevardzeitungen. Die Jagd auf die Faulpelze vor allem im öffentlichen Dienst kommt immer gut an. Da sitzen Menschen, tun keinen Handschlag und kriegen noch richtig dick Geld, das wir alle mit unseren Steuern zahlen. Über die kann man sich noch mehr erregen als über Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, die angeblich gar nicht mehr arbeiten wollen und sich nur durchschleppen lassen.

Kaum eine Berufsgruppe wird so oft der Faulheit bezichtigt wie die Staatsdiener. Genüsslich kann man aus den Krankenstandsstatistiken zitieren, in denen der öffentliche Dienst Spitzenreiter ist: "Warum jeder Zehnte im öffentlichen Dienst krank ist... - unter anderem weil die Bürostühle unbequem sind...", schrieb beispielsweise die B.Z. vor einiger Zeit.

Das Klischee der faulen Beamten wird gerne bedient. Zu diesen zählen auch die Lehrer. Ihr Ansehen ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken, glaubt man einer Umfrage, deren Ergebnisse in dieser Woche in "Focus" erschienen sind. Dabei ist mehr als ein Drittel der Befragten der Meinung, dass Lehrer "einen lauen Job mit viel Freizeit und Ferien" haben. Man kann es auch anders ausdrücken, 36 Prozent halten die Lehrer für faul. Gegen Klischees ist nur schwer anzukommen.

Das Gegenteil der Faulheit ist die Leistung. Die will der Bürger auch im öffentlichen Dienst sehen: in den Verwaltungen, in den bezirklichen Einrichtungen, in den Schulen. Leistung einfach nur zu fordern, ist mitunter nicht ausreichend. Es braucht Anreize. Einen Schritt in diese Richtung macht derzeit der Berliner Senat: Er hat beschlossen, für Beamte der Besoldungsgruppe A Leistungsprämien einzufordern. Die Gewerkschaften sehen das zum Teil allerdings nicht so gerne, sie fürchten böses Blut.

Drückeberger sitzen aber nicht nur im öffentlichen Dienst, auch die Privatwirtschaft muss sich damit auseinandersetzen, dass es den einen oder anderen Laumann in seinen Reihen sitzt. Natürlich lässt sich kein Unternehmen zitieren, wie es mit faulen Mitarbeitern umgeht. Schon allein das Eingeständnis, solche zu haben, könnte Ruf schädigend sein und riefe den Betriebsrat auf den Plan, der das nicht auf den Beschäftigten sitzen lassen wird.

So zäumt man das Thema in der öffentlichen Auseinandersetzung eher von der anderen Seite auf. Es wird weniger darüber gesprochen, wie man faule Mitarbeiter sanktioniert sondern eher wie man sie zu guter Leistung motiviert. Eines der größten Unternehmen in Berlin ist der Pharmakonzern Schering. 5500 Menschen arbeiten dort. Firmensprecher Mathias Claus erklärt, dass die direkten Vorgesetzten jedes Jahr mit jedem Mitarbeiter ein so genanntes Zielgespräch führen. In diesem wird festgelegt, welche Aufgaben in den nächsten zwölf Monaten zu erreichen sind. An dieser Vorgabe muss sich der Beschäftigte messen lassen. Sollten die Leistungen davon abweichen, wird in Mitarbeitergesprächen nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten gesucht. Da sei eine gute Führungskraft gefragt.

Natürlich ist immer wieder auch das Geld ein Motivator, gute Arbeit zu leisten. Nicht wenige Unternehmen zahlen zum Jahresende leistungsabhängige Bonus-Prämien an ihre Mitarbeiter oder Sonderzulagen, für besondere Projekte etwa. So auch Schering: Jede Abteilung erhält einen bestimmten Topf, aus dem zum Jahresende der Bonus für die Mitarbeiter gezahlt werden kann. Der Vorgesetzte bestimmt, wie viel jeder einzelne bekommt. Wichtig ist Pressesprecher Mathias Claus, darauf hinzuweisen, dass jeder Mitarbeiter in einem einzelnen Gespräch über die Höhe des Bonus informiert wird. Das kann aber auch bedeuten, dass man erfahren muss, in diesem Jahr nichts zu erhalten.

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