Berlin : „Du bist ein toller Junge“

Gestern Abend wurden Berlins Sportler des Jahres ausgezeichnet. Boxer Sven Ottke erhielt den Ehrentitel schon zum sechsten Mal

André Görke

Kurz vor dem Wochenende erhielt Ariane Hingst einen Anruf, der sie verwunderte. „Frau Hingst“, sagte der Mann in der Leitung, „kommen Sie doch bitte am Sonntag vorbei. Sie wurden unter die ersten drei Sportlerinnen gewählt.“ Da war sie erst mal irritiert. Klar, im Herbst letzten Jahres hatte sie mit den deutschen Spielerinnen die Fußball-WM in den USA gewonnen. „Mit Auszeichnungen war danach zu rechnen“, sagt Hingst. Mannschaft des Jahres 2003, Brandenburgs Sportlerin des Jahres 2003 – „weil ich ja in Potsdam spiele“. Dass sie gestern auch noch bei der Berliner Sportler-Wahl des Jahres auf dem zweiten Platz landete, noch weit vor Schwimmerin Franziska van Almsick, „das passt doch irgendwie nicht, so als Potsdamerin, oder?“

Vielleicht haben die Berliner in den Monaten nach der Weltmeisterschaft einfach gut aufgepasst. Hingst spielt zwar in Potsdam, wohnt aber in Zehlendorf. Vieles stehe jetzt in den Zeitungen über sie, „wir sind populär geworden, ich werde jetzt sogar auf der Straße angesprochen“, sagte Hingst – und musste prompt mit Boxer Sven Ottke auf ein Foto. Der erhielt gestern Abend in der Mercedes-Welt am Salzufer vor etwa 300 Gästen die Auszeichnung als Berlins Sportler des Jahres. 15 000 Menschen hatten in den vergangenen Tagen abgestimmt. Der Tagesspiegel, fünf andere Tageszeitungen sowie Hörfunk- und Fernsehsender hatten zur Wahl gebeten.

Ottke erhielt den Preis schon zum sechsten Mal und somit so häufig wie kein anderer Berliner Sportler. „Ich weiß zwar nicht mehr, wo die Dinger im Haus alle stehen – aber ich bin richtig stolz drauf.“ Auf der Bühne wurde es dann rührend: Als Ottkes Coach Ulli Wegner, Berlins Trainer des Jahres, zum Mikrofon griff und, auf seinen Schützling blickend, sagte: „Ich bin richtig stolz auf dich, Sven. Du bist ein toller Junge.“ Der saß neben Claudia Pechstein und lächelte. In diesem Moment war dann auch die Eisschnelläuferin entdeckt, die sich leise in die Mercedes-Welt gemogelt hatte und ganz schnell im VIP-Bereich verschwunden war. Prominenz kann manchmal auch nervend sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar