Berlin : „Du musst deinen Instinkten vertrauen“

Tony Hawk ist ein Pionier des modernen Skateboard-Sports. Heute zeigt der 42-Jährige in Berlin eine Auswahl seiner Tricks

Kein Trainer, kein Team, keine Regeln. Tony Hawk nimmt mittlerweile nicht mehr an offiziellen Wettbewerben teil. Er fährt aber noch regelmäßig Skateboard, tritt bei Shows auf und arbeitet als Kommentator fürs Fernsehen. Hawk ist verheiratet und Vater von drei Söhnen und einer Tochter. Foto: Promo
Kein Trainer, kein Team, keine Regeln. Tony Hawk nimmt mittlerweile nicht mehr an offiziellen Wettbewerben teil. Er fährt aber...

Er ist eine Skateboard-Legende. Tony Hawk hat als erster Skateboardfahrer eine zweieinhalbfache Drehung um die Körperlängsachse geschafft, „900°“ genannt. Heute Abend zeigt der US-Sportler sein Können in der Max-Schmeling-Halle bei der „Tony Hawk & Friends Show“ (Prenzlauer Berg, 20 Uhr, Musik von N*E*R*D). Sophie Guggenberger hat ihn interviewt.

Was macht den Zauber des Skateboardens aus?

Es ist eine Liaison aus Kunst und Sport, die sich fortlaufend weiterentwickelt. Zugleich ist es ein einzigartiges Lebensgefühl, ein Lebensstil, der dir immer erlaubt, etwas Neues zu entdecken.

Mittlerweile ist Skateboarden ein knallharter Sport. Inwiefern unterscheidet es sich noch von Sportarten wie Basketball oder Fußball?

Wenn ich skateboarde, bin ich frei. Es gibt keinen Trainer, kein Team und keine Regeln, denen ich mich unterordnen muss. Niemand, der mir sagt, wann ich was zu tun habe.

Die Wahrnehmung des Skateboardens hat sich geändert, als Ende der 90er Jahre die ersten Tony-Hawk-Videospiele erschienen – heute sind es wohl die erfolgreichsten weltweit. Wie reagierte damals die individualistische, rebellisch angehauchte Skateszene auf den kommerziellen Erfolg?

Viele Kollegen aus der professionellen Skateboardszene haben erkannt, welche Chancen sich für sie auftun. Plötzlich haben sie mit etwas, wofür sie zuvor bestraft wurden, gutes Geld verdient.

Vielen Menschen erscheint Skateboarden als gefährlich, manche nennen es eine Extremsportart. Trifft das in Ihren Augen zu?

Es ist wie bei vielen Dingen: Sie sind nur dann gefährlich, wenn du es übertreibst. Die meisten Skateboarder fliegen nicht über 18 Meter breite Schanzentische oder nehmen Geländer von zehn Metern Länge und mehr. Nur Profis tun das. Sie gehen ein höheres Risiko ein, weil sie die Übung haben und das Talent, auch riskante Situationen unverletzt zu überstehen. Gerade für junge Leute ist Skateboarden eine erfrischende Möglichkeit, sich körperlich auszutoben, ohne traditionelle Wege beschreiten zu müssen.

Was war Ihre bislang schwerste Verletzung?

Ein gebrochenes Becken. Autsch!

Sie sind jetzt knapp über vierzig. Wie lange können Sie noch auf diesem hohen Niveau Skateboard fahren?

Das weiß ich nicht, aber ich würde es nicht mehr in der Öffentlichkeit tun, wenn ich den Eindruck hätte, dass ich mich nicht mehr weiterentwickle. Es scheint, als sei ich ein Vorreiter für professionelles Skateboarden im fortgeschrittenen Alter.

Stalefish, Airwalk, Madonna oder der „900°“ – Sie haben rund 100 Skatetricks erfunden. Wie entstehen solche Tricks?

Viele sind aus Fehlern entstanden beim Versuch, gängige Tricks zu erlernen. Manche sind mir im Traum erschienen, andere sind Kombinationen aus verschiedenen Tricks, die es schon gab.

Der 27. Juli 1999 gilt als magisches Datum der Skatewelt. An dem Tag haben Sie erstmals einen „900°“ geschafft, eine zweieinhalbfache Drehung um die Körperlängsachse. Seither ist das nur drei weiteren Skateboardern gelungen. Was macht diesen Trick so außergewöhnlich?

Man fliegt meterhoch aus der Halfpipe, greift sein Board und dreht sich zweieinhalbmal um die eigene Achse. Wobei die ersten eineinhalb Drehungen kopfüber gedreht werden müssen, damit man genug Drehmoment erzeugt. Du musst ganz deinen Instinkten vertrauen, die sind nach zweieinhalb Umdrehungen nicht immer auf der Höhe. Es bleibt also ein Restrisiko.

Ihr Sohn Riley ist ein angesehener, hochtalentierter Street-Skateboarder. Gibt es in der Familie Hawk Sonntagnachmittag- Skateboard-Sessions mit Vater und Sohn?

Oh ja, die gibt es, aber seine Fähigkeiten beim Streetskaten übertreffen meine bei weitem. Der Schüler ist mit seinen 17 Jahren längst zum Lehrer geworden.

Mitarbeit Joachim Beckert. Mehr zur Veranstaltung in unserer Beilage „Ticket“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben