Berlin : Dürfen muß man schon können (Pro)

Bernhard Koch

In Deutschland wird schon lange nicht nur um den späten oder freien Ladenschluß gestritten sondern längst auch um den Sonntag: Soll auch sonntags und feiertags jeder öffnen dürfen? Die Diskussion hat an Aktualität und Schärfe gewonnen, seit der Senat eine "Souvenir"-Sonderregelung erlassen hat. Einige Firmen wollen nun gleich ihr volles Sortiment verkaufen.

Aufsperren! Auch am Sonntag! Nieder mit dem Tankstellen-Monopol! Doch oh Gott, ist der Tag des Herrn in Gefahr? Wird die heilige Familie zerstört? Nein, natürlich nicht, schon gar nicht im heidnischen Berlin. Wer den Ladenschluss-Unsinn verteidigt, dem geht es um profane Dinge. Verkäuferinnen fürchten Wochenendarbeit, ihre Bosse Mehrkosten, weil auf alle Tage verteilt der Umsatz kaum zu steigern ist. Die Gewerkschaften schließlich verteidigen konservativ bestehende Regelwerke zum vermeintlichen Schutz zahlender Mitglieder: Hier kämpfen Lobbygruppen, die aus verständlichen Gründen Veränderung fürchten. Das Allgemeinwohl haben die Damen und Herren Bedenkenträger aber mitnichten im Sinn.

Es ist unbillig, Handel mit Milch, Bier oder Zigaretten sonntags exklusiv wenigen Läden zu erlauben. Diese ganzen Ausnahmen haben Privilegien geschaffen, die zum Himmel schreien. Die Chefs der Zapfsäulen scheffeln fröhlich, wenn der Konkurrenz der Verkauf verboten ist. Der Wildwuchs immer größerer Tankstellen-Shops mit Supermarkt-Sortiment schreitet ungebremst fort - und dies nicht der Preise wegen. Die Benzin-Kundschaft wird dort zur Minderheit.

Unsozial ist die Freigabe der Ladenöffnungszeiten keineswegs. Wird die Arbeitzeit auf die ganze Woche verteilt, ergeben sich neue Möglichkeiten. Wer freie Tage innerhalb der Woche nimmt, darf sich auf viel Platz am Wasser, in Parks oder Museen freuen. Viele werden die Stadt neu kennen lernen, manche erstmals ein kommodes Plätzchen im Lieblings-Ausflugslokal finden. Und zuletzt: Niemand fordert Zwang zur Ladenöffnung auch am Sonntag, nur dürfen muss man es können.

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